Beim Buddha abgeschaut: 5+2 Tipps für eine liebevolle Haltung & eine starke Eltern-Kind-Bindung

Schließe Deine Augen und stelle Dir einen buddhistischen Mönch vor. Was siehst Du vor Deinem inneren Auge? Vermutlich einen lächelnden, kahlköpfigen Menschen in einer orangenen Robe. Einen Menschen, dessen wohlwollende und wertschätzende Einstellung und dessen bedingungslose Liebe Du förmlich spüren kannst. Einen Menschen mit Präsenz und Achtsamkeit, der freundlich und mit Bedacht spricht und für den Lästern, Schimpfen und auch jede andere Form von Gewalt fremd ist. Einen Menschen, in dessen Nähe Du Dich wohl fühlst.

Wir möchten momentan keine buddhistischen Mönche werden, aber das mit dem Lächeln, der Freundlichkeit, der Wertschätzung, der Präsenz, der bedingungslosen Liebe usw. – das würden wir uns gerne noch mehr von buddhistischen Mönchen abschauen und ins tägliche Leben integrieren (auf Kahlköpfigkeit & Robe können wir allerdings verzichten 😉 ). Warum das so wichtig ist für unser Miteinander, für eine starke Eltern-Kind-Bindung und auch für die Entwicklung unserer Kinder, haben wir ja schon in vielen anderen Artikeln, Webinaren etc. näher beleuchtet – schwieriger ist oft das WIE. Den Mönch als Vorbild, in diesem Artikel ein paar Tipps, um das im Alltag üben zu können.

#1 Lächeln

Wir wissen nicht, was zuerst da war – die innere Einstellung oder das Lächeln. Egal – wir beginnen einfach mit einem Lächeln. Lächeln senkt das Stressniveau und macht außerdem attraktiver (frag mal Deine Kinder, wie sie Dich attraktiver finden: ernst oder lächelnd) 😉 Auch wenn es anfangs ein erzwungenes Lächeln sein sollte – nach ein paar Minuten wird es echt. Und Du wirst wirklich spürbar gelassener. Glaubst Du nicht? Das ist gut so, denn auch das ist eine buddhistische Haltung: nichts blind zu glauben, sondern das Gehörte selbst auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen und wenn möglich auszuprobieren. Also: worauf wartest Du noch? 😉

#2 Mit freundlicher Stimme sprechen

Wenn wir gestresst sind oder unzufrieden mit etwas, dann hat das leider oft Auswirkungen auf unseren Tonfall und unsere Ausdrucksweise. Wir drängeln, ermahnen, schimpfen, weisen an: „Jetzt beeil Dich doch, wir sind zu spät!“, „Hast Du noch immer nicht Deine Hausaufgaben gemacht“, „Jetzt räume doch bitte endlich Dein Zimmer auf“, „Jetzt werde ich aber gleich wütend“ usw. Meist ohne dass uns das wirklich bewusst ist.

Wie geht es unseren Kindern damit? Sie fühlen sich unwohl, abgelehnt, nicht mehr zugehörig, gekränkt. Damit bauen wir keine Bindung zueinander auf, sondern erreichen genau das Gegenteil – wir unterbrechen die Bindung zu unserem Kind.

Wie würde es unser buddhistischer Mönch machen? Er würde achtsam und freundlich sprechen. D.h. nicht, dass er seine Unzufriedenheit nicht ausdrücken würde, aber eben auf freundliche und konstruktive Weise ohne sein Gegenüber zu beschämen o.ä.

Wenn Du also das nächste Mal z.B. drängeln oder eine Anweisung erteilen musst, dann mach das doch ganz bewusst mit einer freundlichen Stimme, denn der Ton macht die Musik 🙂 Und achte auch mal darauf, wie Du sprichst, wenn Du einfach nur gestresst bist – ganz unabhängig vom Verhalten Deiner Kinder.

#3 Mit freundlichen Augen schauen

Wir sollten nicht nur darauf achten, was aus unserem Mund kommt – es gibt auch nonverbale Kommunikation. Ein Blick z.B. kann ja bekanntermaßen mehr als tausend Worte sagen. Wie wir unsere Kinder anschauen, hat großen Einfluss darauf, wie sie sich wahrgenommen fühlen. Unser Blick kann abwesend, streng, genervt, vernichtend („Wenn Blicke töten könnten,…“) sein. Oder wir schauen unsere Kinder mit freundlichen Augen an, die ihnen vermitteln, dass wir uns für sie interessieren, dass wir sie lieben, dass wir hören wollen, was sie gerade bewegt.
Versuche täglich mehrmals ganz bewusst Dein Kind mit freundlichen Augen anzuschauen und es dabei anzulächeln. Das ist auch eine gute Übung, präsenter zu werden. Also mal innezuhalten und raus aus unserem halbpräsenten Todo-Modus zu kommen.

#4 Aufmerksam zuhören

Dieser Tipp ist sozusagen die Erweiterung von #3. Nicht halbherzig zuhören, wenn unser Kind uns etwas erzählt oder zeigt. Sondern innehalten, unser Kind freundlich anschauen – und uns Zeit für ehrliches Interesse nehmen. Stell Dir vor, wie es Dir gehen würde, wenn Du Deinem Partner etwas erzählen möchtest, Du aber spürst, dass dieser gar nicht so richtig bei der Sache ist, weil er nebenbei dies und jenes erledigt. Umgekehrt: wie wertgeschätzt fühlst Du Dich, wenn Dein Partner seine Arbeit kurz unterbricht und Dir wirklich zuhört? Was würdest Du vom Mönch erwarten?

Tipp: zu diesem Thema hat KIKI vor einiger Zeit einen extra Artikel geschrieben: Achtsames Zuhören – so zeigst Du Deinem Kind, dass es Dir wichtig ist

#5 Wertschätzung & das Gute sehen

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.“ Unsere Gedanken sind mächtig, beeinflussen neben den Worten auch unsere Gefühle und damit auch unser Verhalten.

Wie ist das bei Dir: Dein Kind hat wieder seine Klamotten einfach rumliegen lassen, sich mit seinem Bruder gestritten, als Du das wichtige Telefonat geführt hast und jetzt gerade mal wieder Null Bock auf Hausaufgaben. Was siehst Du: diese 3 in Deiner Wahrnehmung negativen Seiten Deines Kindes? Oder die 1000 positiven Seiten, die Dein Kind hat? Wenn es Dir wie den meisten anderen Menschen geht, liegt Dein Fokus vermutlich auf dem, was Dich gerade nervt. Und mit diesem Fokus begegnest Du Deinem Kind in den nächsten Stunden. Du wirst es also eher als Last wahrnehmen. Aber es sind nur Deine momentanen Gedanken, die diese Wahrnehmung steuern. Du kannst auch einfach Deine Gedanken ändern – und Dein Kind als Quell der Freude sehen.

Wie? Mache Dir immer wieder die vielen positiven Seiten Deines Kindes bewusst. Als Grundlage dafür kann Dir diese Übung von Kiki helfen. Oder die folgende Stuhl-Übung aus dem Buch „Ermutigen statt kritisieren“ von Barbara Hennings:

Die Übung führst Du allein durch, also im stillen Kämmerlein, in dem Dich niemand hören kann. Du setzt virtuell dein Kind auf einen Stuhl Dir gegenüber und sagst ihm laut, was Du gut an ihm findest, was Du an ihm magst. 

Mache diese Übung immer dann, wenn Du Dich über Dein Kinder (oder jemanden anderen) ärgerst. Das baut die Bindung wieder auf. Und wenn Du das regelmäßig machst, kultivierst Du damit außerdem eine positive Grundhaltung diesen Menschen gegenüber. Hilfreich hierfür ist übrigens auch die Metta-Meditation, die mit Sicherheit auch unser Mönch regelmäßig macht 😉 Oder die folgende kleine Dankbarkeitsübung: Schreibe Dir jeden Tag 5 Dinge auf, die Du an Deinem Kind magst, für die Du dankbar bist.

Im Zusammenhang mit einer positiven, wertschätzenden Haltung, können wir Dir auch noch die beiden folgenden Artikel empfehlen:

Jetzt noch 2 Tipps, die wir uns von unserem Mönch aus der Einleitung eher nicht abschauen können. Zumindest gibt es in den Klöstern in unserer Vorstellung keine Kinder, mit denen er Tipp #6 und #7 machen könnte 😉

#6 Quatsch mitmachen & gemeinsam lachen

Kinder laden uns oft dazu ein, mit ihnen zu spielen. Manchmal ganz bewusst mit der Frage „Spielst du mit mir?“, aber viel öfters geschieht die Spiel-Einladung ganz subtil. Oft empfinden wir Eltern dies als „ärgern“ oder „nerven“ (vor allem wenn wir schon müde sind oder uns gestresst fühlen), z.B. wenn das Kind plötzlich mit der geklauten Gurke, die wir eben fürs Abendessen schneiden wollten, aus der Küche rennt. Statt das Kind jetzt anzumotzen, wäre es für die Bindung besser, dieses kleine Spiel mitzuspielen, indem Du entweder hinterherrennst, um die Gurke wieder einzufangen (aber natürlich ist dein Kind viel zu schnell und du erwischt es einfach nicht) oder in dem Du verzweifelst in der Küche nach der Gurke suchst, alle Schubladen öffnest, die Gurke aber einfach nicht finden kannst… Kannst Du schon das Kichern deines Kindes hören? Wie schön! Kichere mit ihm – es gibt nichts besseres für die Eltern-Kind-Bindung als gemeinsames Kichern oder Lachen 🙂

Meine Kinder lieben es, Quatsch zu machen – und sobald ich diesen Quatsch mitmache, schauen sie mich mit großen, leuchtenden, glücklichen Augen an. Es dauert nicht lange und wir kugeln uns vor Lachen auf dem Boden.

Versuche doch mal, einmal am Tag eine Spieleinladung anzunehmen oder Quatsch mit deinen Kindern zu machen. Dieses gemeinsame Spielen oder Quatschmachen stärkt eure Eltern Kind Bindung.

#7 Wunschzeit

Darüber habe ich ja schon öfter gesprochen, daher hier nur noch mal eine kurze Erinnerung 😉 Auch eine regelmäßige „Wunschzeit“ mit Deinen Kindern ist heilsam für die Bindung zwischen Euch. Mehr dazu hier.