Eine ganz simple Übung zur bedingungslosen Liebe, die das Verhältnis zu Deinem Kind nachhaltig ändern kann

Es gibt viele Elternratgeber und fast eben so viele sog. Erziehungskonzepte. Mir gefällt u.a. der Ansatz der bedingungslosen Liebe. Also meine Kinder ohne jede Bedingung zu lieben. Vor ein paar Tagen bin ich zufällig mal wieder über ein Buch hierzu gestolpert, das eine wunderbare Übung beinhaltet, die blitzschnell klar macht, was bedingungslose Liebe eigentlich praktisch bedeutet. Und in kürzester Zeit dafür sorgen kann, mit Deinen Kindern ganz anders umzugehen.  Das Faszinierende dabei war die unglaubliche Wirkung: solange die Übung noch frisch im Kopf war, war’s bei uns nochmals spürbarer harmonischer als normalerweise! Aber der Reihe nach…

Was ist bedingungslose Liebe?

Die Frage „Liebst du dein Kind bedingungslos?“ wird wohl jede Mama und jeder Papa ganz spontan, ohne nachzudenken, mit Ja beantworten.  Bedingungslose Liebe. Lieben? Ja, klar: jedes Elternteil liebt sein Kind. Von Anfang an. Bedingungslos? Mmh – schon schwieriger. Was heißt denn bedingungslos?

Bedingungslos – also die Liebe nicht an irgendwelche Bedingungen knüpfen. Den Unterschied zwischen Liebe und bedingungsloser Liebe hat  Alfie Kohn in seinem Buch Liebe und Eigenständigkeit sehr gut beschrieben. Das ist übrigens eines meiner Lieblingsbücher!:
„Kinder dafür zu lieben, was sie tun, oder Kinder dafür zu lieben, wer sie sind. Die erste Art von Liebe ist an Bedingungen geknüpft, das heißt, Kinder müssen sich unsere Liebe dadurch verdienen, dass sie sich so verhalten, wie wir es für angemessen halten, oder dadurch, dass ihre Leistungen unseren Erwartungen entsprechen. Die zweite Art von Liebe ist bedingungslos: Sie hängt nicht davon ab, wie sie sich verhalten, ob sie erfolgreich sind oder gute Manieren haben oder irgendetwas sonst.“  Man liebt sein Kind, so wie es ist. Denn so wie es ist, ist es gut, ist es wundervoll. Man stellt an sein Kind keine Forderung und man hat auch keine Erwartung. 

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Wozu bedingungslose Liebe?

Die bedingungslose Liebe ist die beste Voraussetzung, das beste Umfeld dafür,  dass unsere Kinder gedeihen können, dass unsere Kinder zu Menschen heranwachsen, die sich selbst annehmen (siehe auch: Wie unsere Kinder ein positives Selbstbild bekommen (und wie nicht)). Und das ist eine sehr wichtige Voraussetzung, um zu einem glücklichen, verständnisvollen und freien Menschen heranzuwachsen. Und das wollen ja eigentlich alle Eltern.

Doch oft ist uns Eltern gar nicht bewusst, dass wir unsere Liebe an Bedingungen knüpfen. Wir versuchen mit Liebensentzug unsere Kinder zu erziehen oder das zu erreichen, was wir von unseren Kindern fordern oder erwarten. Beispiel: Wir bestrafen unser Kind, indem wir ihm keine Gute Nacht Geschichte erzählen, wenn es sich einfach nicht die Zähne putzen lassen möchte. Liebesentzug ist ein großes Machtmittel und zumindest zu Beginn, wenn die Kinder noch klein sind, ist dies auch eine sehr effektive Methode, denn Kinder lechzen nach Elternliebe.

Stolperstein Erwartungshaltung

Eine der größten Stolpersteine der bedingungslosen Liebe ist m.E. die Erwartungshaltung der Eltern:  sie wollen, dass aus ihrem Kind mal „etwas wird“.  Wie immer auch „etwas“ definiert ist.  Sie wollen ein gutes Kind, wobei mit „gutes Kind“ meist ein Kind gemeint ist, das die Eltern nicht allzu sehr stört und nervt.  Die Erwartungshaltung wird gesellschaftlich stark geprägt: Kinder haben zu funktionieren, sonst gibt’s mind. missbilligende Blicke von der Umgebung und den Omas 😉 (Wir haben ein interessantes Interviews dazu geführt: Mein Kind ist genau richtig, wie es ist!).

Super Einstieg in die bedingungslose Liebe

In der Bücherei fiel mein Blick auf das Buch „Bullerbü ist überall “ von Isabel Köller. Den Titel fand ich so interessant, dass ich es einfach mitnahm 😉 Und in diesem Buch ist eine Übung, die ein sehr guter Einstieg in die bedingungslose Liebe ist. Christian und ich haben sie gemacht und es war so spannend und hat uns viel gebracht.  Jetzt aber zur Übung

Brainstorming

Nimm dir Zeit, wenn die Kinder im Bett oder nicht bei dir sind, hol dir ein Blatt Papier und schreib alles auf, was dir zu deinem Kind einfällt. Bewerte und korrigiere nicht, schreib nur alles auf. Angefangen von Schwangerschaft, Geburt, 1. Jahr usw. Schreib auf, was dir gefällt an deinem Kind, was dein Kind liebt, welche Interessen es hat, welche Lieblingsfarbe. Schreib auf, was dir nicht gefällt, was dich nervt… Je mehr du zu Papier bringst, desto genauer entsteht ein Bild deines Kindes.

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Alles im Zusammenhang mit Deinen Erwartungen streichen

Ordne anschließend deine Liste  in positiv und negativ und streiche dann alles, was aus deiner Erwartungshaltung herrührt. Beispiel: dass dein Kind sein Zimmer nicht aufräumt oder den Müll nicht rausbringt, sind Erwartungshaltungen. Wenn du diese Punkte auf deiner Negativ-Liste hast: dann streiche sie. Wenn du auf deiner Positiv-Liste stehen hast: „ist ein sehr guter Schüler“, dann streiche es, denn es entspringt deiner Erwartungshaltung.
Am Ende hast du nur noch die Dinge auf deinen Zetteln stehen, die dein Kind beschreiben, seine Wesenszüge.

Beim Streichen der Dinge hatten Christian und ich manchmal ein wenig Probleme, denn oft ist es schwer herauszufinden, was eine Erwartungshaltung ist und was nicht. Ich finde, dass sehr vieles aus Erwartungshaltungen entspringt: steht auf deiner Negativ-Liste „ist laut“ so könnte dies ein Wesenszug sein, allerdings entspringt es auch einer Erwartungshaltung, denn es ist gesellschaftlich nicht anerkannt, laut zu sein. Ich würde „ist laut“ nicht von der Liste streichen, denn es ist m.E. ein Wesenszug. Es gibt eben Kinder die laut sind. Vielleicht noch ein Beispiel: steht auf deiner Liste: „beißt andere Kinder“ so könnte man auch sagen: Wir erwarten, dass unser Kind nicht beißt. Allerdings würde ich diesen Punkt nicht von der Liste streichen, da dieser Punkt andere verletzt. Hör beim Streichen einfach auf deine Intuition!

Das Ergebnis

Welche Liste überwiegt bei euch? Bei uns zum Glück die Positiv-Liste 😉 Aber auch wenn die Negativ-Liste bei dir überwiegt, heißt es nicht, dass dein Kind „schlecht“ ist. Es ist dein Blickwinkel! Und den kann man ändern! Wenn du ein lautes und extrovertiertes Kind hast, dann ist es eben so – versuch nicht ständig dagegen anzukämpfen und dies ändern zu wollen. „Du musst mich so lieben wie ich bin„, das fordern wir  von unserem Lebenspartner. Wir sollten bei unseren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen.

So hat’s bei uns gewirkt

Das Erstellen dieser beiden Listen hat bei Christian und mir die bedingungslose Liebe zu unseren Kindern wieder hochgepusht. Dinge, die uns vorher unbequem waren, waren plötzlich weniger relevant (sind ja nicht schlecht, verstoßen nur gegen unsere Erwartungen, für die unsere Kinder nichts können). Stattdessen haben wir uns nochmals vor Augen geführt, wie wunderbar unsere Kinder sind! Und siehe da – die nächsten Tage waren nochmals spürbar harmonischer als sonst, wir haben uns in diesen Tagen so viel gedrückt. Erst heute morgen wieder hat mich unser „Kleiner“ umarmt und dann nach Papa und seinen großen Bruder gerufen, damit die auch noch mitdrücken können.

Der Ich-Habe-Ein-Wunderbares-Kind-Zettel

Und was machst du jetzt mit diesen Listen? Schreib dir einen kleinen Zettel mit allen übrig gebliebenen positiven Dingen (wenn es zu viele sind, dann schreib dir nur die wichtigsten auf). Steck diesen Zettel in deine Hosentasche und wenn euch die nächste Streitlawine zu überrollen droht, zieh dich schnell zurück, hol den Zettel aus der Tasche und du wirst sehen, der Streit wird abflachen bevor er eskaliert. Es ist auch gut, täglich einen Blick einfach so auf die Liste zu werfen. Diese Liste zeigt dir, welch ein tolles Kind auch du hast!

Zusätzlich zu dieser tollen Übung kannst Du mit einer täglichen (ganz einfachen) Meditation bedingungslose Liebe & Eltern-Kind-Bindung stärken.

Unsere Kinder lieben uns – bedingungslos. Lasst es uns ihnen nachmachen!

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Du bist gefragt!

Ich freu mich, wenn du mir schreibst, wie es dir mit dieser Übung ergangen ist.

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