Wundermittel Wertschätzung: Beziehungsbooster & Stress-Senker für Kinder & Eltern

Ajahn Brahms Mauer und der Fokus auf das Negative

Kennst Du die Geschichte von der Mauer des buddhistischen Mönchs Ajahm Brahms – aus seinem Buch „Die Kuh, die weinte“? Sie geht sinngemäß so: Ajahn wollte zusammen mit seinen Mitmönchen ein Kloster bauen, um nicht länger auf alten Türen im Freien schlafen zu müssen. Dazu gehörten natürlich auch Mauern. Als Ajahns erste selbstgemauerte Mauer fertig war, betrachtete er sie zufrieden – bis er die 2 Steine sah, die schief in der Mauer saßen. Er meinte, damit die komplette Mauer versaut zu haben und sie störten ihn so sehr, dass er die Mauer (sein „Stümperwerk“, wie er es sah) sogar wieder abreißen wollte. Sein Abt verbot es ihm allerdings, so dass Ajahns Mauer Teil des Klosters wurde. Aber er konnte mit den 2 fehlerhaft eingesetzten Steinen keinen Frieden finden – bis er eines Tages einen Gast durch die Baustelle führte. Plötzlich lobte dieser Gast Ajahns Mauer. Ajahn  fragt ihn, ob er denn schlecht sähe und nicht die beiden fehlerhaften Steine sehen würde. Der Gast meinte daraufhin: „Ja, ich sehe die beiden mangelhaft ausgerichteten Backsteine. Aber ich sehe auch 998 gut eingesetzte Steine.“

Negativ ist evolutionär gesehen sinnvoll…

Ich finde diese Geschichte wunderbar, denn sie zeigt, was in vielen Quellen als Negativitätstendenz beschrieben wird. Demnach sind wir Menschen evolutionär darauf geeicht, eher das Schlechte als das Gute zu sehen. Und zwar deshalb, weil es für das Überleben förderlicher ist, überall Gefahr zu wittern als Fremden blind zu vertrauen, fröhlich pfeifend dem berühmten Säbelzahntiger in die Arme zu laufen oder optimistisch anzunehmen, dass der ausgehungerte Wolf dort vorne sicher nur spielen möchte 😉

… wird aber auch heute noch intensiv gelebt

Jetzt leben wir aber mittlerweile in einer verhältnismäßig sicheren Welt und ich halte es für wenig sinnvoll, allem und jedem mit einer tendenziell negativen, eher misstrauischen Einstellung zu begegnen und das Negative zu sehr in den Fokus unseres Denkens zu rücken. Trotzdem finden wir diese Negativitätstendenz überall in unserem Leben wieder.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Schule. In der Schule fokussiert man sich voll und ganz auf die Fehler der Kinder. Das Notensystem dient dazu, dem Kind seine Fehler abzutrainieren. Hat es 10 Fehler im Diktat, wird es mit einer schlechten Note dafür bestraft. Wie wäre es stattdessen, die 90 korrekt geschriebenen Wörter hervorzuhaben und wertzuschätzen? Was wäre das für ein Unterschied für die Selbstwahrnehmung eines Kindes? „Wow, ich kann schon so gut schreiben, dass ich 90 Wörter richtig geschrieben habe! :-)“ vs. „Oje, ich bin so schlecht! Ganze 10 Wörter konnte ich nicht richtig schreiben! :-(“
Kein Wunder also, dass auch unsere Kinder bald auf das Negative fokussiert sind statt auf das Positive – das entsprechende Training dauert ja bis zu 13 Jahre.

Ein anderes Beispiel: mir fällt immer wieder auf, dass vor allem viele ältere Menschen sehr viel jammern und klagen. Oder ist das nur bei uns im Schwabenland so? Wenn ich hier im Bus sitze und entsprechenden Gesprächen lauschen darf, dann geht es ganz viel um die gesundheitlichen Gebrechen der Sprecherr oder seiner Bekannten, um Arztbesuche oder politische „Fehler“. Schönes und Angenehmes ist dagegen selten Gesprächsstoff.

Nebenwirkungen der Negativitätstendenz, die leider nicht in der Packungsbeilage stehen

Aber auch daheim in der Familie haben wir oft die Tendenz, uns auf die Fehler unserer Kinder (oder unseres Partners) zu fokussieren mit dem Ziel, sie abzustellen. „Immer lässt Du Deine Schuhe so schlampig da stehen, immer muss ich alles aufräumen!“ und ähnliches. Auch wenn der Ärger von uns vielleicht berechtigt ist aus unserer Sicht: wenn die Tendenz dazu geht, eher die „Fehler“ unserer Kinder zu sehen – laut ausgesprochen oder nicht – dann ist das

  1. Nicht förderlich für Eure Beziehung zueinander
  2. Nicht förderlich für das Selbstbild Deines Kindes
  3. Nicht förderlich für Deine Gesundheit (und für die Deines Kindes)

Was a) und  b) betrifft: wie würdest Du Dich fühlen, wenn Dein Partner Dir täglich immer wieder sagt (oder Dich spüren lässt), dass dies und jenes an Dir oder Deinem Tun nicht in Ordnung ist? Wie würdest Du Deinen Partner sehen, wie Dich selbst? Wie hoch ist dann Deine Bereitschaft für kooperatives Verhalten?
Und das ist ein Beispiel von 2 Menschen auf „gleicher Ebene“ – die Eltern-Kind-Beziehung ist ja nochmal ganz anders, weil Du hier Vorbild und Führer Deines Kindes bist und Deine Urteile und Bewertungen nochmal ein ganz, ganz anderes Gewicht für Dein Kind haben! Und weil unsere Kinder von uns und unserer Liebe wirklich abhängig sind und sie nicht einfach gehen können.

Das Wunder der Wertschätzung

Und jetzt stelle Dir stattdessen mal vor, Dein Partner würde mehrmals am Tag Dich oder Dein Tun wertschätzen. Was würde das mit Dir machen? Wie würde sich das anfühlen? Wie würdest Du Deinen Partner sehen? Wie wäre Deine Bereitschaft für kooperatives Verhalten?
Spürst Du den Unterschied? Bei mir verschwinden bei diesem Gedankenspiel mein innerer Widerstand und die Anspannung im Bauch – und ich fühle mich sofort gut und beginne zu lächeln 😉

Hier ein schöner Kurzfilm auf Youtube, der die Wirkung von wertschätzenden Worten deutlich macht (Danke an Barbara für den Tipp!):

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Hier sieht man wunderschön, wie die Menschen aufblühen und sogar wieder gesund werden, wenn sie wertschätzend behandelt werden. Und man sieht auch, dass das Wertschätzen ganz einfach geht: man muss sich nur auf einen oder mehrere der geraden Mauersteine fokussieren! 😉

Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein, alle „Mängel“ seiner Mitmenschen gut zu heißen! Sondern ein Aufruf dazu, sich darüber bewusst zu werden, dass es neben den 2 schief eingesetzten Mauersteinen eben auch noch 998 ganz toll eingesetzte gibt! Und wenn wir das vor Augen haben, dann können wir unsere Kinder, unseren Partner aber auch Situationen oder unser Leben generell ganz anders wahrnehmen (und auch uns selbst!!!). Und die schief eingesetzten Mauersteine u.U. auch viel leichter tolerieren 😉

Beispiel: „Ja, Sven ist so schrecklich unordentlich und eckt auch bei den Lehrern immer wieder an, weil er dies oder jenes vergessen oder durcheinandergebracht hat. Aber ist unglaublich kreativ und versucht unbeirrt von der Meinung anderer seinen Weg auszuprobieren. Außerdem hat er ein besonderes Händchen für…, er kann fesselnde Geschichten erzählen und hat so ein ansteckendes Lachen…!“

Achtung: Negativ macht krank

Noch ein Wort zu c): ich bin davon überzeugt, dass eine zu starke Tendenz zur Negativität ungesund ist. Wenn ich ständig im Widerstand bin mit meinen Mitmenschen oder Situationen, wenn mich ständig Sorgen und Ängste quälen, dann bedeutet das chronischen psychischen Stress. Und damit verbunden ist auch körperliche Anspannung – also zusätzlich noch chronischer physischer Stress. Und wie ich in 7 Stressarten als Ursache aller chronischen Krankheiten „behaupte“, macht chronischer Stress ab einem bestimmten Pensum chronisch krank.

Wenn wir also spüren, dass wir laufend im Widerstand mit etwas oder jemandem sind (so wie unser buddhistischer Hobby-Maurer aus der Eingangsgeschichte), wenn wir uns ständig sorgen oder Angst haben, sollten wir schon allein aus gesundheitlichen Gründen bewusst versuchen aus dieser Negativität auszubrechen, indem wir die 998 geraden Mauersteine finden und wertschätzen. Wir werden sofort spüren, wie der Stress geringer wird und Freude & Dankbarkeit weicht.

Wertschätzung: das Wundermittel gegen Stress & für gute Beziehungen (nicht nur zu Kindern)

Insofern kann man Wertschätzung also auch als „Wundermittel gegen Stress“ bezeichnen, finde ich 😉 Und wenn unser Kind oder unser Partner gerade unsere Mauer sind: hier finden wir mit großer Sicherheit ganz leicht viel, viel mehr gerade als schiefe Steine und haben damit ein richtig starkes Mittel gegen den aus unserer Negativitätstendenz resultierenden Stress!

Spannend an diesem Mittel finde ich, dass es nicht nur auf uns selbst wirkt, sondern auch auf unsere Mitmenschen! 😉 Wenn wir wertschätzend sprechen statt zu schimpfen oder zu meckern, ersparen wir auch unseren Kindern & Co. eine Menge Stress. Gleichzeitig sorgt dieses Mittel für bessere Beziehungen, ein besseres Selbstbild (bei uns und unseren Mitmenschen) und mehr Lächeln & Freude. Wenn das kein Wundermittel ist… 😉

Erste Schritte mit dem Wundermittel – und flankierende Mittel

Ich empfehle Dir, Dir zunächst mal wenigstens heute und morgen bei jedem negativen Gedanken bewusst zu machen, welche Mauer Du dabei gerade ansiehst – und Dir anschließend bewusst zu machen, wie viele Mauersteine dieser Mauer „gerade“ sind 😉 Dieses Bewusstwerden ist der erste Schritt, die Negativitätstendenz Richtung Wertschätzung zu verschieben.

Wenn Du magst, kannst Du begleitend dazu auch mal einen Blick auf Kikis Übung zur bedingungslosen Liebe werfen – die nicht nur auf Kinder, sondern auf jeden Menschen angewendet werden kann. Und auch diese einfache Meditation kann Deine Sichtweise nachhaltig verändert, was sogar wissenschaftlich untersucht wurde.

Einen guten Tipp gegen unseren häufigen Negativfokus hat auch Veit Lindau uns mal in einem Interview gegeben: in seiner Firma gibt es eine Meckerkasse, in die jeder einzahlen muss, der unkonstruktiv gemeckert oder gejammert hat 😉

Und nie vergessen, welche unglaubliche Wirkung der Mann aus dem Youtube-Kurzfilm auf seine Mitmenschen hatte… 😉

Wer die Geschiche mit der Mauer in der längeren Originalfassung lesen möchte, hier der Link zum Buch. Ich liebe diese Art der Geschichten – und das Buch ist voll davon 😉

Letzte Aktualisierung am 11.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API