Die Wunschzeit – spielerisch die Eltern Kind Bindung stärken!

Die Eltern-Kind-Bindung ist ein mittlerweile weit verbreiteter Begriff. Wir Eltern sollen eine gute Bindung zu unseren Kindern aufbauen, gut in Kontakt mit ihnen sein, uns mit ihnen gut verbinden. Warum? Weil eine sichere Eltern Kind Bindung für das emotionale Wohlbefinden der Kinder elementar ist, weil sie sich dann geliebt und gesehen fühlen und weil ein Leben mit Kindern, die gut an die Eltern gebunden sind, einfacher und harmonischer ist.

Eine gute Bindung zu unseren Kindern ist vor allem dann essentiell, wenn wir eine straffreie „Erziehung“ in unserer Familie leben, weil eine gute Bindung das kooperative Verhalten leichter möglich macht. Denn ein Kind kooperiert meist nur, wenn es sich gut verbunden fühlt – ist das nicht der Fall, bleibt oft nur der Weg über Strafen & Drohen. Aber das macht chronisch wütend & trotzig – weshalb immer mehr Eltern den straffreien Weg gehen.

Doch manchmal fragen wir Eltern uns: Wie bauen wir Eltern eine gute Bindung zu unserem Kind auf? Oder wieder auf – wenn die Verbindung zum Kind (kurzfristig) abgebrochen ist? Und wie merke ich überhaupt, dass meine Bindung zu meinem Kind besser sein könnte?

Falls die Bindung zu deinem Kind gerade nicht optimal ist, merkst du das ziemlich schnell. Das sind nämlich genau die Situationen, in denen du mit dem Verhalten oder den Gefühlen deines Kindes zu kämpfen hast: Z.B. keine Kooperation, Wut, Trotz, Aggression. Dann stimmt wahrscheinlich gerade etwas nicht mit eurer Verbindung. Es gibt einige Wege, das Band der Verbundenheit wieder aufzubauen und zu stärken. Einen ganz tollen und spielerischen möchte ich dir jetzt vorstellen 😉 Du kannst sofort damit loslegen und wirst schon bald merken, wie sich Eure Bindung verbessert!

Dieses Band der Verbundenheit kannst du aber wieder aufbauen und stärken – und zwar spielerisch 😉 Und das meine ich wortwörtlich 😉

Spiel mit deinem Kind und baue gleichzeitig eine Bindung zu ihm auf

„Mama spiel mit mir“, „Papa spiel mit mir!“. Wie oft hast du diesen Satz schon aus dem Mund deines Kindes gehört. Wenn deine Kinder noch kleiner sind, dann hörst du das sicher täglich. Wahrscheinlich sogar mehrmals am Tag. Und je älter die Kinder werden, desto weniger fragen sie noch. Warum? Weil die Kinder unsere Antwort ja eh schon kennen „Nein, keine Zeit“ oder „Nein, keine Lust“ und auf diese Abfuhr verzichten sie lieber….

Seltsam: Je kleiner die Kinder sind, desto mehr spielen wir mit ihnen. Wie oft spielen wir mit den Kleinsten Guck-Guck-Da, Kniereiter, Krabbelkäfer oder pusten einfach auf den nackten Bauch und lachen dabei herzlich miteinander? Übrigens nicht nur wir Eltern, sondern auch fast alle anderen Erwachsenen versuchen die ganz Kleinen immer zum Lachen zu bringen. Und irgendwie machen wir Eltern das intuitiv richtig, denn durch diese Spiele bauen wir eine Bindung zu unseren Kindern auf, wir stillen ihr Bedürfnis nach Nähe und Aufmerksamkeit und stärken ihr Gefühl, geliebt zu werden. Das Spiel zählt zu den besten Mitteln, um die emotionalen Batterien der Kinder wieder aufzuladen.

Doch was, wenn sie älter werden? Warum hören wir irgendwann auf, mit unseren Kindern zu spielen? Warum ist es nicht weiterhin unser Ziel, unsere Kinder zum Lachen zu bringen? Denn das gemeinsame Lachen und Spielen würde (wieder) genau für diese starke Verbindung zwischen Kind und Eltern sorgen.

Also: fangen wir doch einfach wieder an mit unseren Kindern zu spielen! Egal wie alt sie sind 🙂

Wir haben dazu in unserer Familie die Wunschzeit eingeführt, eine Möglichkeit, die im Aware Parenting und im Hand-in-Hand-Parenting beschrieben wird.

Wie funktioniert Wunschzeit?

Leuchtende Kinder-Augen - spielerisch die Eltern Kind Bindung stärken!Wunschzeit ist ein bestimmter Zeitraum, in dem du mit deinem Kind spielst, in dem du ihm deine volle Aufmerksamkeit schenkst und genau das spielst, was dein Kind will. Ja, du hast richtig gelesen: du spielst genau das, was dein Kind sich wünscht. Auch, wenn es dich 100 mal bittet den gleichen Witz zu erzählen, auch wenn du mit den Spielautos einen schrecklichen Unfall mit Polizei, Hubschrauber und Krankenwagen inszenieren musst, auch wenn dich dein Kind auf der Straße 50 mal zwischen 2 Straßenlaternen hin- und herscheucht. Ja ich weiß: Wunschzeit kann für uns Eltern herausfordernd sein. Aber es lohnt sich: Die leuchtenden Augen und das überglückliche Lachen deines Kindes sind unbezahlbar!

Bei der Wunschzeit gibt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Lege eine exakte Zeit für die Wunschzeit fest: Fang lieber mit einer kurzen Wunschzeit von z.B. 10 Minuten an, damit du wirklich mit deiner ganzen Aufmerksamkeit bei deinem Kind sein kannst. Denn je länger die Wunschzeit ist, desto schwieriger wird es meist für uns, mit unseren Gedanken wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Und je kürzer sie ist, desto einfacher bringen wir sie auch in unserem Alltag unter.
  • Gib dieser Zeit einen Namen: Du musst sie nicht Wunschzeit nennen. Andere Möglichkeiten sind: „Mama-Zeit“, „Papa-Zeit“, „Kind-ist-Chef-Zeit“, „Spielzeit“, … Lasst euch etwas Schönes einfallen für diese besondere Zeit.
  • Stelle einen Timer! Und wenn dieser klingelt, dann ist die Wunschzeit vorbei! Es ist wichtig, ein klares Zeichen für das Ende der Wunschzeit zu haben. Aber auch der Anfang muss ganz klar sein. Beginne die Wunschzeit mit diesem oder einem ähnlichen Satz: „Jetzt beginnt deine Wunschzeit, wir spielen, was du möchtest.“
  • Geld & Ort: Legt vor der Wunschzeit einige Dinge fest wie: darf Geld ausgegeben werden (z.B. Eis essen gehen, Spielzeug kaufen, … ) und wenn ja, wie viel. Bei unserer Wunschzeit darf kein Geld ausgegeben werden. Des weiteren ist es wichtig festzulegen, wie weit ihr euch von eurem zu Hause entfernen könnt/wollt.
  • Keinerlei Ablenkung: Lege dein Handy weg (am besten schaltest du es auch aus), du gehst an keine klingelnde Tür und an kein klingelndes Telefon und du hast deine anderen Kinder gut versorgt, damit euch keiner stören kann. Diese Zeit gilt nur deinem Kind. Gehe vorher auch aufs Klo ;-), trinke oder esse noch etwas, wenn du möchtest.
  • Überlasse deinem Kind die Führung: Dein Kind übernimmt in der Wunschzeit die Führung und darf bestimmen, was gespielt wird. Du folgst genau seinen Anweisungen. Ein „Nein“ sollte dir nur dann über die Lippen kommen, wenn es wirklich zu gefährlich wird. Versuche so weit es geht, alle Wünsche zu erfüllen. Wenn dein Kind z.B. von einer großen Höhe herunterspringen will, dann lege Matratzen oder Decken hin und gib ihm deine Hand beim Springen.
  • Mache alles mit: Dadurch, dass die Zeit begrenzt ist, schaffen wir Eltern es, auch mal verrückte Sachen zu machen, wie draußen im Garten 10 Minuten „Kirschkernspucken“, oder uns einen Grashügel herunterzurollen. Ja, hört sich verrückt an und du kannst dir kaum vorstellen, das zu machen, oder?
  • Mit Freude: Gehe bitte ganz positiv in die Wunschzeit, freu dich darauf, sei neugierig, was sich dein Kind ausgedacht hat und genieße die Zeit, in der du dich mit deinem Kind verbindest.
  • Zum Schluss: Und wenn die Wunschzeit vorbei ist, zeige deinem Kind deine Liebe, umarme es, gib ihm einen Kuss, klatsche ab, … und am besten sag ihm, wann die nächste Wunschzeit ist.

Was du bei der Wunschzeit vermeiden solltest

Uns Eltern fällt es manchmal ziemlich schwer, dem Kind beim Spiel die Führung zu überlassen. Aber das ist ganz wichtig! Bitte gib deinem Kind keine Ratschläge und belehre es in dieser Zeit auch nicht. Damit meine ich z.B. so Dinge wie: „Kämpfen ist aber nicht schön“ oder „Bitte benutze keine Schimpfwörter“ oder „Nein, die Puppe will jetzt nicht in den Kinderwagen, sie will lieber in das Tragetuch“. Es ist auch nicht der richtige Zeitpunkt, deinem Kind etwas beizubringen – z.B. bitte dein Kind nicht irgendwelche Bauklötze zu zählen. Fang auch nicht an Unkraut zu zupfen, das Kinderzimmer aufzuräumen oder darüber nachzudenken, was du alles nach der Wunschzeit noch machen musst. Sei einfach nur bei deinem Kind. Das ist eine schöne Achtsamkeitsübung 😉

Bitte knüpfe an die Wunschzeit keine Bedingungen oder drohe deinem Kind nicht damit, die Wunschzeit zu streichen, wenn es sich gerade nicht so verhält, wie du es dir wünschst („Wenn du nicht aufräumst, dann gibt es keine Wunschzeit!“). Denn damit schießt du dir ein Eigentor. Schließlich ist die Wunschzeit die Zeit, in der du deine Verbindung stärken willst. Die bessere Variante wäre es, ihm genau dann Wunschzeit anzubieten, wenn es ihm gerade nicht gut geht, wenn es sich gerade nicht so verhält, wie du es dir wünschst – denn genau jetzt braucht dich dein Kind.

Gute Zeitpunkte für die Wunschzeit

Eltern Kind Bindung stärken in stressigen SituationenWenn meine zwei Jungs sich gerade nicht besonders gut leiden können und ein Streit in der Luft liegt, dann leg ich oft eine Wunschzeit für beide ein. Und nach dieser Wunschzeit spielen sie meistens wieder friedlich miteinander. Jetzt wirst du sagen: Aber dafür hab ich doch gar keine Zeit! Und ich denke mir: lieber spiele ich 20 Minuten mit den Kindern, als 20 Minuten zwei Streithähne zu haben, und schauen zu müssen, dass sie sich nicht körperlich in die Wolle kriegen, während mein Stresspegel immer größer wird und ich ernstlich an mich halten muss, um nicht zu schimpfen und zu meckern…. Ich habe für mich beschlossen: Lieber Spielzeit statt Schimpfzeit 😉

Allgemein hilft die Wunschzeit bei schwierigen, herausfordernden Situationen. Wenn ihr z.B. immer Streit bekommt beim Abendritual, dann schiebt doch davor mal 10 Minuten Wunschzeit ein. Oder wenn es morgens Probleme gibt, dann macht die Wunschzeit morgens (viele Eltern, die das machen, wecken ihre Kinder extra 10 Minuten früher!). Wenn die nächste große Familienfeier ansteht oder ein Arztbesuch oder die Hausaufgaben gemacht werden müssen, könnt ihr schauen, ob 10 Minuten Wunschzeit davor, die Situation danach entspannter ablaufen lässt.

Ist mein Kind nicht zu alt für die Wunschzeit?

Wenn du ein Kind im Teenageralter hast, dann wird es mit dir kaum mehr fangen spielen – aber du wirst sicher etwas finden, was du gemeinsam mit deinem Kind machen kannst. Vielleicht spielst du mal ein Computerspiel mit ihm? Oder schaust ihm bei einem seiner Hobbys zu? Sei einfach mal 10 Minuten nur für dein Kind da, interessiere dich für es ohne zu bewerten, was es gerade macht. Setz dich zu ihm ins Zimmer, sag du möchtest gerne wissen, was es gerade macht und schau was passiert. Auf diese Weise wirst du auch die Bindung zu deinem Teenie-Kind wieder stärken und lernst es dabei noch besser kennen.

Wie schaffe ich es nur, die Wunschzeit noch in den Alltag zu packen?

Ja, die liebe Zeit. Am besten wäre es, der Tag hätte 48 Stunden 😉 Ich möchte euch ermutigen, euch für 4 Wochen täglich Zeit für die Wunschzeit freizuschaufeln und zu schauen, wie sich die Wunschzeit auf die Stimmung in eurer Familie auswirkt. Es sind nur 10 Minuten am Tag! Die schafft ihr! Weckt euer Kind 10 Minuten früher und spielt gleich mit ihm, oder macht es direkt vor dem Abendritual. Und nach einiger Zeit schon werdet ihr i.d.R. feststellen, dass diese Zeit eine wundervolle „Investition“ ist – und ihr sie nicht mehr missen wollt 😉

Wenn ihr mehrere Kinder habt, dann fragt ihr euch sicherlich, wohin mit dem anderen Kind während der Wunschzeit. Solange die Kinder noch klein sind, ist das sicher eine Herausforderung. Eine Möglichkeit ist es, dass ihr den Mittagsschlaf des kleineren Kindes ausnutzt, oder ihr weckt ein Kind morgens früher. Bei zwei Kindern kann man die Wunschzeit auch sehr effektiv gestalten, wenn das eine Kind mit Papa und das andere Kind mit Mama Wunschzeit macht. Ihr könnt auch einen gemeinsamen Freund einladen und macht mit jedem Kind (auch mit dem gemeinsamen) Freund nacheinander die Wunschzeit während immer 2 Kinder zusammenspielen können.

Als ich die Wunschzeit in unserer Familie eingeführt habe, waren die Kinder sehr skeptisch und wollten sich zuerst nicht 10 Minuten alleine beschäftigen während der Bruder Wunschzeit hatte. Zum Glück hatte ich Christian, der dann eines der Kinder übernehmen konnte. Mittlerweile sind meine 2 Jungs von der Wunschzeit so begeistert, dass sie sich sehr gerne alleine beschäftigen, weil sie ja wissen, dass sie auch gleich in den Genuss der Wunschzeit mit Mama kommen 🙂

Wutanfall am Ende der Wunschzeit

Manchmal kann es vorkommen, dass dein Kind am Ende der Wunschzeit sehr aufgebracht reagiert oder sogar einen Wutanfall bekommt. Bitte verlängere jetzt die Wunschzeit nicht und spiele auch nicht mit dem Gedanken, die Wunschzeit wieder abzuschaffen, sondern begleite diese Gefühle liebevoll und einfühlend. Dein Kind ist jetzt so stark mit dir verbunden und fühlt sich so sicher in deiner Nähe, dass es lang angestaute Gefühle loswerden kann. Das ist ein heilsamer Prozess für dein Kind und von enormer Bedeutung. Dieser Ansatz stammt aus dem Aware Parenting, bei dem davon ausgegangen wird, dass durch Weinen, Lachen und Wüten Stress, Ängste und Traumata abgebaut bzw. verarbeitet werden können. Auch wenn das einfühlende und liebevolle Begleiten eines Wutanfalls nicht immer leicht für uns Erwachsene ist, möchte ich dich ermutigen, auch weiterhin Wunschzeit regelmäßig mit deinem Kind zu machen.

Wunschzeit: Schlüssel, um die Eltern Kind Bindung zu stärken und aufzubauen

Die regelmäßige Wunschzeit ist ein Schlüssel zu Aufbau und Pflege einer engen Verbundenheit zwischen dir und deinem Kind. Es ist unglaublich, wie sehr du dein Kind durch die Wunschzeit noch besser kennen lernst. Du erfährst während der Wunschzeit, was deinem Kind gerade gefällt, was es nicht leiden kann, was ihm Sorgen bereitet, wovor es Angst hat, was es bewegt.

Ältere Kinder, die schon länger mit der Wunschzeit vertraut sind, fordern diese übrigens auch genau dann ein, wenn es ihnen gerade nicht gut geht, wenn sie kurz davor sind, ihre Mitte zu verlieren. Wenn wir ihrem Wunsch dann nachkommen, kann sich das Kind während der Wunschzeit mit uns verbinden und Stress und Anspannungen lösen. Oft bleibt dann der Wutanfall aus.

Die Vorfreude von Kindern auf die nächste Wunschzeit ist so herzerwärmend. Im Sommer haben wir die Wunschzeit in unserer Familie abends gemacht. Ein Kind durfte mit Christian und das andere Kind mit mir (KIKI) – und tagsüber haben sich die beiden schon überlegt, was sie abends mit uns anstellen dürfen 😉 Wir wurden sportlich ganz schön herausgefordert 😉 Aber das schönste war die enge Verbundenheit, die leuchtenden Augen, das gemeinsame Lachen und anschließend eine entspannte „die Kinder ins Bett bringen“- Zeit.

Von |2019-01-12T12:45:24+00:0018. Dezember 2018|

Über den Autor:

Kiki
Hallo, ich bin Dr. Nicole Kikillus (aber alle nennen mich KIKI) , Mama von 2 wunderbaren, freiheitsliebenden Söhnen. Ich habe Elektrotechnik studiert und dort auch promoviert - dann aber zusammen mit meinem Mann Christian die Glücksknirpse ins Leben gerufen. Meine Themenschwerpunkte sind bewusste & liebevolle Erziehung, gesunde Ernährung, artgerechtes Wachsen & Leben für dauerhafte Gesundheit bis ins hohe Alter & Freisein. Unsere Vision ist, so viele Eltern wie möglich mit unseren Themen anzustecken, damit ganz viele Kinder zu Glücksknirpsen werden können: gesund, glücklich, frei.

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