Zwischen Freiheit und Grenzen: Kinder & Medien

Kiki & ich beschäftigen uns immer wieder mit dem Thema Kinder & Medien – und wissen durch Eure Mails und Eure Fragen in unseren F&A-Runden, dass es vielen Glücksknirpse-Eltern genauso geht. (Nicht nur) uns stellen sich dann Fragen wie:

  • „Ab welchem Alter dürfen unsere Kinder an den Computer und was dürfen sie ab wann dort machen (bzw. nicht machen)? Wie viel Freiheit können wir dabei geben – wie lange am Tag ist ok?“
  • „Was machen wir, wenn unsere Jungs irgendwann nach einem eigenen Smartphone verlangen (mit dem Killerargument, dass ja auch all ihre Freunde eines haben), wir aber starke Vorbehalte haben?“
  • „Wie lösen wir das Dilemma, dass die zwei (mit dem gleichen Argument) Minecraft spielen möchten – wir davon aber alles andere als begeistert sind?“
  • „Was ist mit anderen Computerspielen? Welche machen möglicherweise aggressiv, bei welchen besteht Suchpotential, wie viel Spielzeit pro Woche ist ok?“
  • „Wie handhaben wir das mit dem Fernsehen…?“

Natürlich möchten wir bei all diesen Überlegungen und Entscheidungen immer nur das Beste für unsere Kinder (für ihre Gesundheit, für ihre Entwicklung, für ihre Lebensfreude) – und gleichzeitig ein konfliktarmes, harmonisches Familienleben. Beides gleichzeitig ist manchmal schwer – bei uns war das zumindest beim Thema „Minecraft“ so 😉 Aber letztlich haben wir von unserem Gefühl her bislang immer für alles – Computer, Computerspiele, Smartphone & Fernsehen – einen guten Mix aus Freiheit & Grenzen gefunden. Individuelle Lösungen, die für unsere Familie passen. Lösungen, die von uns bei Bedarf immer wieder überpüft und ggf. angepasst werden, denn die Interessen unserer Kinder ändern sich, mit zunehmendem Alter dürfen auch ihre Freiheiten wachsen – und auch wir Eltern lernen ja immer wieder dazu. 😉

Hier unsere bisherigen Erfahrungen – und eine Reihe von Links zu weiterführenden Artikeln, die unsere Denkweise und unsere Entscheidungen in Sachen Medien beeinflusst haben. Unsere Lösungen sind sicher nicht perfekt – aber wir haben damit bislang immer ein gutes Gefühl gehabt auf Basis unseres aktuellen Wissenstands und unserer aktuellen Möglichkeiten und Lebenssituation. Vielleicht kann die ein oder andere unserer Erfahrungen für Dich hilfreich sein, aber denke immer daran, dass jede Familie anders ist und daher jede ihre individuellen Lösungen finden muss.

„Arbeit“ am Computer

Unsere Jungs durften schon recht früh (mit +/- 7 Jahren) am Computer „arbeiten“ (anfangs noch unter Aufsicht). D.h. nach Dingen recherchieren, mit einer Textverarbeitung eigene Sammelkarten erstellen, Videos schneiden, sich irgendwelche Spiel-Ausweise machen und ausdrucken, Scratch programmieren, Englisch lernen, nach Fußballergebnissen schauen u.ä. Für uns eher untypisch, haben wir dafür nie ein Zeitlimit gesetzt. Vielleicht weil wir es selbst doof fänden, wenn jemand uns nach einer Stunde sagen würde: „Jetzt ist aber Schluss, Christian. Du kannst Dein Interview ja morgen weiter schneiden“ 😉 Wo ich doch gerade mitten im Flow bin…

D.h. unsere Kinder dürfen (nach anfänglichen Bedenken) solange am PC „arbeiten“ (NICHT Computerspielen – siehe weiter unten), wie sie dafür brauchen. Ok, wenn sie „nur“ nach Fußballergebnissen schauen oder sich anderweitig (in unseren Augen) unnütz die Zeit vertreiben, sagen wir nach einer halben Stunde freundlich aber bestimmt, dass es langsam gut ist. Aber wenn sie programmieren oder Videos schneiden sagen wir nichts. Auch nicht nach 3 Stunden. Weil wir festgestellt haben: diese intensive PC-Zeit dauert höchstens ein paar Tage. Danach ist das Projekt abgeschlossen und die Jungs wenden sich neuen Projekten zu – meist welchen ohne PC-Einsatz.

Kommentar von KIKI: Wenn die Kinder ein PC-Projekt haben und mal wieder gefühlt den ganzen Tag davor sitzen, werde ich manchmal immer noch echt unruhig und es kommen Befürchtungen hoch, dass das jetzt ein Dauerzustand werden könnte…. Und immer wieder werde ich eines besseren belehrt. Zum Glück 😉

Mittlerweile müssen die beiden nicht einmal mehr fragen, wenn sie an den PC wollen – weil wir einfach gemerkt haben, dass die Balance zwischen Medien und realer Welt stimmt bzw. wir wenn nötig immer noch ein individuelles Limit setzen können, was selten vorkommt. Und wenn es doch mal vorkommt, wird es auch – mal mehr, mal weniger – ohne großes Gemecker akzeptiert. Was mir wichtig ist: wir wissen trotz der Freiheiten immer, was unsere Kinder gerade am Computer machen.

Das „Ergebnis“ bisher:

  • 2 Kinder, die sich immer besser in der Computer- & Internetwelt zurecht finden, Software wie Textverarbeitung und Videoschnitt kennenlernen, immer schneller mit Tastatur und Maus werden, immer sicherer in Sachen Rechtschreibung und einiges mehr.
  • Tatsächlich so gut wie nie Konflikte wegen Computernutzung, weil wir unseren Jungs vertrauen und das Vertrauen (fast nie) ausgenutzt wird.
  • Kinder, die trotzdem noch viel draußen sind und sich auch drinnen viel medienfrei beschäftigen.

Was uns ganz wichtig ist: Wir reden in der Familie auch viel über die Computernutzung. Vermitteln, was wir für sinnvoll erachten und was nicht. Was und wie lange wir für gesund halten und was und wie lange nicht. Was wir selbst machen und was nicht. Wie wichtig uns Datenschutz ist und warum. Welche Gefahren im Netz lauern u.ä. Und vor allem: dass der Computer ein nützliches Werkzeug ist – und nicht primär ein Gerät zum sinnarmen Zeitvertreib!

Das liebe Smartphone

Unsere Jungs sind jetzt 9 und 12 und haben immer noch keine eigenen Smartphones. Obwohl einige ihrer Freunde eines haben. Wir haben als Alternative 2 Eltern-Smartphones, die sie mitnutzen können, um mal jemanden anzurufen oder eine SMS zu schreiben (obwohl wir sie dazu motivieren, stattdessen lieber ein Kabeltelefon zu nutzen, falls verfügbar). Es gibt kein großes Verlangen nach einem eigenen Handy oder nach sozialen Medien. Facebook & Co. wären für uns ohnehin absolut tabu – zum Schutz der Privatsphäre unserer Kinder. Messenger wie Signal dürften sie nutzen, wenn sie es möchten. Machen sie auch ab und zu, z.B. wenn sie auf Reisen mit der Oma chatten.

Ich weiß nicht, ob diese Zurückhaltung unserer Kinder unserer besonderen Lebenssituation geschuldet ist – oder weil wir selbst das Smartphone kaum nutzen? Vielleicht auch, weil Kiki & ich ziemlich datenschutz-sensitiv sind und auf dem Smartphone Browser, Google, Youtube & Co. tabu sind? Oder weil wir ziemlich stahlungs-sensitiv sind und Smartphones, WLAN & Co. wirklich nur nutzen, wenn es in diesem Moment keine gute Alternative gibt? Oder weil wir wegen all dieser Punkte immer wieder mit unseren Kindern im Gespräch sind?

Warum auch immer – ich bin dankbar und froh deswegen. Nicht zuletzt, weil wir so zumindest vorläufig noch nicht wegen Handydaumen oder Handynacken zum Orthopäden müssen 😉 Und weil ich keine Angst haben muss, dass sie keine Mädels kennenlernen oder einen Baum anrempeln, weil sie draußen ständig nur auf den Bildschirm starren 😉

Übrigens: viele Kinder und Jugendliche hören ja Musik auf ihrem Handy oder schauen sich Videos darauf an. Unsere Jungs haben von uns je einen MP3/MP4-Spieler bekommen, der an Coolness einem Smartphone in kaum etwas nachsteht (sehen unsere Jungs vielleicht irgendwann anders ;-)) – aber eben keines ist – also ohne Browser, Youtube, Internetverbindung & Co auskommt. Damit können sie (mit uns jeweils zusammen gekaufte) Musik anhören, Musikvideos anschauen oder Hörbücher hören.

Kommentar von KIKI: Als unser Kinder noch klein waren, hatte ich noch gar kein Smartphone. Es gab also kein ablenkendes Gepiepse, wenn ich Zeit zusammen mit meinen Kindern verbracht habe, ich war nicht immer wieder plötzlich mit meiner Aufmerksamkeit bei einem Smartphone-Bildschirm. Das halte ich für sehr wichtig bei Kleinkindern, denn jedes Mal, wenn Mama/Papa ein Smartphone in die Hand nimmt, bedeutet das eine Trennung der Eltern-Kind-Bindung. Auch heute ist mein Smartphone fast immer aus – wir verwenden Messenger fast nur (in unserer Arbeitszeit) am PC und telefonisch erreichbar sind wir meist nur, wenn wir einen Telefontermin per Mail vereinbart haben (alles bewusste Entscheidungen, die wir zusammen getroffen haben).

Computerspielen: Minecraft, Minecraft, Minecraft…

Bei Computerspielen sind wir sehr restriktiv – vielleicht fast schon dogmatisch. Warum sollen meine Jungs am PC Solitär spielen, wenn sie das auch mit echten Karten auf dem Tisch machen können? Wollen sie das nicht mit echten Karten machen? Dann halt nicht – am PC jedenfalls auch nicht! Und auch so setzen wir uns lieber nachmittags oder abends als Familie an den Tisch und spielen ein kooperatives Brettspiel, wovon wir viele haben.

In folgenden Artikeln findest Du eine Auswahl unserer kooperativen Brett- & Kartenspiele: Miteinander statt Gegeneinander: Kooperative Spiele für Kinder (und Eltern) – Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Trotzdem wollten unsere Jungs irgendwann Minecraft spielen – weil ihre Freunde das auch alle machen. Wir haben uns lange dagegen gesträubt (und hatten deswegen immer wieder Konflikte mit den Kindern). Weil wir gesehen haben, dass einige ihrer Freunde quasi süchtig nach diesem Spiel sind. Dann haben wir auf unseren Reisen andere Kinder (12 und 9 Jahre) kennengelernt, die einmal pro Woche ein gewisse Zeit Minecraft spielen durften – und ganz und gar nicht süchtig schienen. Also haben wir unseren Beiden das doch schließlich erlaubt (nachdem Kiki den neuen Freunden mal bei einem Spiel zugeschaut hat, um sich ein Bild davon zu machen) – zunächst mal 4 Wochen auf Probe (aber nicht online!). Jedem 60 Minuten pro Woche. Sie haben dann mit uns ganz clever ausgehandelt, dass sie das auf 2 Tage verteilen – jeder darf an jedem dieser Tage 30 Minuten spielen und 30 Minuten zuschauen. Immer im 10-Minuten-Wechsel. Das haben sie selbst so vorgeschlagen – und wir haben zugestimmt. Am Anfang gab es nach dem Spielen öfters Mal Streit & Aggressionen, nach einigen Wochen aber nicht mehr. Probezeit bestanden!

Und jetzt – nach ca. 6 Monaten – haben sie zunehmend weniger Lust auf dieses Spiel. Ganz anders als befürchtet. Ich kann mir vorstellen, dass das daran liegt, dass sie nicht mit anderen Kindern zusammen online spielen dürfen. Denn dann wäre der Suchtfaktor sicher höher – wegen der ständigen Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht auch online ist, wenn es die anderen sind. Trotzdem können unsere Jungs jetzt mit den anderen mitreden – was ihnen sehr wichtig war. Und wenn sie doch mal mit anderen Kindern zusammen spielen möchten, dann dürfen sie das mittlerweile auch – aber nicht online, sondern ganz „oldschool“, in dem sie sich „in echt“ treffen, dabei ihre Computer mitnehmen und diese dann vor Ort miteinander verkabeln. Sie haben also Freiheit mit gewissen Grenzen – und durch den logistischen Faktor mit geringer Suchtgefahr.

Computerspielen Teil 2: Das Kind im Manne

Das beste (für mich) kommt jetzt: ich habe seit Jahren selbst keine Computerspiele mehr gespielt. Als Schüler und Student habe ich das in Maßen gemacht und fand das immer toll. Aber jetzt, wo ich eh viel vor dem Bildschirm arbeite und sitze (und weiß, dass „Sitzen für den Arsch ist“ — siehe Kasten) und meine Augen trotz aller bisherige Bemühungen nicht besser werden, wollte ich mich körperlich nicht auch noch abends mit weiterer Bildschirmzeit und Sitzen belasten.

Computerspielen fand ich also doof. Bis in diesem Jahr zu dem Tag, als mein Jüngster mich auf einem riesigen kroatischen Campingplatz dazu überredet hat, mit ihm im Medienraum vor einem Riesenbildschirm Fußball zu spielen. Christian: „Ne, Fußball spielen wir doch „in echt“ nachmittags auf dem Fußballplatz. Das ist doch bekloppt auf dem Computer!“. Seltsamerweise saß ich dann doch kurze Zeit später am „bekloppten“ Computer. Und war – ärgerlicherweise – begeistert! Das Kind in mir hat sich voll gefreut, durfte endlich mal wieder raus aus dem Dogmatismus-Käfig! Glückselig, begeistert und verbunden mit meinem Sohn.

Nach Verlassen des Campingplatzes war’s das dann aber wieder mit dem Computer-Fußball. Bis zu dem Tag, an dem ich mich mit meinem Jüngsten in einem Elektrofachmarkt wiederfand und das unaussprechliche, total bekloppte machte: mit einer Konsole samt Fußballspiel unter den Armen den Markt verlassen habe. Einfach so. Mit einem fröhlichen Sohn und selbst seltsam euphorisiert – so ein bisschen wie an Weihnachten 😉

Und seitdem zockt der Vater mit seinen beiden Söhnen hin und wieder abends, wenn es draußen dunkel und kalt ist, sitzenderweise vor dem Bildschirm Fußball – und mittlerweile auch andere Spiele. Immer nur maximal ein halbes oder ein ganzes Stündchen. Wissend, dass wir das nur im Winter machen werden. Und immer nur abends, nachdem die Jungs „in echt“ draußen Fußball gespielt haben – damit das eine nicht das andere ersetzt. Und immer nur im Team – nicht gegeneinander. Und keine blutrünstigen Metzelspiele. Und was mir auch ganz wichtig ist: keine Onlinespiele mit Suchtgefahr (s.o.) – und auch keine mit Tamagotchi-Elementen (wer das nicht mehr kennt, hier mehr Infos auf Wikipedia 😉 ).

Das Ergebnis: das Kind in mir darf mehrmals pro Woche heraus, ich bin gelöst und habe superviel Spaß mit den Jungs und wir haben eine viel bessere Bindung! Letzters ist das perfekte Argument, auch Kikis Segen für das Computerspielen zu bekommen 🙂 Das gute Engelchen auf meiner einen Schulter sagt: „Christian, das könntest Du auch anders haben! Dazu brauchst Du doch keine Konsole! Und Du sitzt doch eh den ganzen Tag! Und dann noch das ungesunde Blaulicht aus dem Bildschirm!“. Und das böse Engelchen auf meiner anderen Schulter sagt: „Jetzt hast Du mal Pause gutes Engelchen mit Deinem Dogmatismus! Lass mich doch einfach Kind sein – zusammen mit meinen Kindern! Außerdem gehe ich jeden Morgen joggen – und bald nochmal mit meinem Jüngsten in den Elektrofachmarkt – einen größeren Bildschirm mit Blaulichtfilter kaufen! Hah, Konsum kann also doch irgendwie glücklich machen!“ 🙂

Kommentar von KIKI: Ich bin froh darüber, dass Christian erst jetzt wieder zum Computerspielen gefunden hat, weil die Jungs einfach schon älter sind. Wären sie jünger, hätte ich wohl mehr Bedenken. Nun zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn die 3 abends Fußballatmosphäre ins Wohnzimmer bringen, sich gegenseitig anfeuern, jubeln, gemeinsam gewinnen oder verlieren. Und auch, weil ich dann immer 30-60 Minuten Zeit für mich habe 🙂

Fernsehen

Wir haben schon seit Ewigkeiten keinen Fernseher mehr. Weil wir in unseren Zwanzigern festgestellt haben: „Ist einer da, hockt man abends müde davor und verliert seine Selbstbestimmung. Macht Kiki das TV-Kabel kaputt und ist Christian zu faul, es zu reparieren („Christian: DU bist doch Elektroingenieur – ICH bin nur Betriebswirt. Warum soll ICH dann das Kabel reparieren?“ 😉 ), machen wir plötzlich andere, viel schönere Dinge.“

Neu hinzugekommen ist das Wissen, dass ich überhaupt keinen Bock habe, mich dieser ewig negativen und manipulativen Pseudo-Berichtserstattung auszusetzen – ich brauche gute Energie, keine schlechte. Deswegen lesen wir auch keine Zeitung.

Was wir stattdessen machen: wir entscheiden bewusst, dass wir heute gemeinsam als Familie einen Film anschauen möchten – oder ein Fußballspiel. Keine Überforderung durch 400+ Programme, kein passives Berieseln lassen – sondern ein aktives, bewusstes (und seltenes) Familienevent. Mit zeitlicher Limitierung. Ohne Fernseher, nur auf dem Notebook. Durch Miete eines Filmes bei einem Filmverleih im Internet – oder auch mal eine DVD aus einer Bücherei oder von Freunden.

Zum Thema Nachrichtenkonsum habe ich vor „Urzeiten“ mal einen Artikel geschrieben: 3 Gründe, warum Du zufriedener sein wirst, wenn Du nicht mehr täglich Nachrichten liest/siehst

Kinder vor Medien „parken“

Ich gestehe: nicht immer schauen wir als Familie einen Film. Manchmal machen es die Jungs auch ohne uns. Z.B. wenn wir einen wichtigen Telefon-Termin oder ein Live-Webinar haben und wir dabei nicht das Risiko eingehen können, dass sich beide kloppen oder Rambazamba machen. Dann dürfen sie ein oder auch mal zwei (oder gar drei) „Willi will’s wissen“ o.ä.  schauen – oder eine extra Runde Minecraft drehen.

Böse Zungen könnten uns vorwerfen (auch unsere eigenen ;-)), dass wir unsere Kinder dann ja vor den Medien parken – und sie hätten Recht. Aber das ist niemals ein Laissez-faire nur damit die Kinder Ruhe geben und wir uns nicht mit ihnen beschäftigen müssen – sondern immer eine bewusste Entscheidung. Und oft versuchen wir solche wichtigen Termine auch in eine Zeit zu legen, in der sie unterwegs sind mit Freunden. Nennen wir es selektives, bewusstes Medienparken zu einem guten Zweck 😉

Und wenn ich deswegen mal den Anflug eines schlechten Gewissens bekomme, dann denke ich daran, was ich auf Sardinien und in Kroatien bei 2 anderen Familien beobachten durfte: dort waren die Kinder fast den ganzen Tag non-stop vor dem Fernseher. Immer wenn ich beim Vorbeilaufen (ungewollt) zum Fenster reingeschaut habe, hingen die Kinder vor der Glotze. Und das fing am Wochenende gleich nach dem Aufstehen an. DAS ist Medienparken.

Mein Fazit

Ich glaube es ist wichtig, als Eltern (mal wieder) den richtigen Mix zu finden aus Freiheit & Grenzen. Und dabei gut mit den Kindern verbunden zu sein und mit ihnen immer wieder über Medien und Mediennutzung zu reden. Wir leben ein fernsehfreies und smartphonearmes Leben vor – dafür aber (beruflich bedingt) ein computerintensives. So können wir glaubwürdig sagen, dass wir vom Fernsehen wenig halten – und auch von Smartphones. In unserer Situation könnten wir aber nicht glaubwürdig behaupten, dass Computer schlecht sind, schließlich nutzen wir sie selbst sehr intensiv.

Wichtig finde ich auch, achtsam zu sein – was negative aber vor allem auch positive Aspekte der Mediennutzung in der Familie angeht. So beobachten wir genau, ob und wie sich Mediennutzung auf das anschließende Verhalten unserer Jungs auswirkt, ob sie z.B. danach aggressiv sind oder ganz hippelig. Ob sie Dinge nachspielen oder sprachliche Elemente aus Filmen nachahmen. Oder aktuell einen (für uns) zu starken Zug zum PC haben, dort aber nicht wirklich etwas Sinnvolles zu tun wissen. Und reden dann auch mit unseren Jungs darüber.

Wir beobachten aber auch die positiven Auswirkungen. Z.B. darauf, wie stolz mein Großer ist, wenn er ein Video am PC geschnitten hat. Oder dass beide spielerisch wieder ein wenig mehr Englisch gelernt haben. Und natürlich sehen wir auch die Begeisterung beim Computerspielen. Und auch darüber reden wir dann in der Familie.

(Übrigens beoachten wir auch unser EIGENES Medienverhalten immer achtsamer und auch kritischer – schließlich können wir nur predigen, was wir auch selbst leben – und möchten unseren Kindern ein gutes Vorbild sein; deshalb disziplinieren wir uns z.B. bei der Benutzung von Messengern ziemlich stark – s.o.).

So entwickeln unsere Jungs hoffentlich ein gutes Gespür für Nutzen und Gefahren von Medien – und für das richtige Maß. Ganz wichtig ist mir persönlich die Sensibilisierung für mögliche Gesundheitsgefahren & Datenschutz. Ich weiß nicht, was die beiden daraus machen werden, wenn sie erwachsen sind – aber ich habe mein Bestes gegeben. Einen hoffentlich guten Mix aus Freiheit, Grenzen und Aufklärung. An was sie sich auf jeden Fall erinnern werden: an die gemeinsamen Stunden voller Spaß beim Fußballspielen auch vor dem Bildschirm – zusammen mit Papa! 🙂