5 einfache Tipps, um deinen Kindern weniger „Neins“ und Verbote zu geben

60.000 Neins in den ersten 3 Lebensjahren hören die Kleinen von uns. Wenn man davon ausgeht, dass sie durchschnittlich 12 Stunden pro Tag schlafen, ist das alle 13 Minuten ein Nein. Ziemlich viel. Und ziemlich frustrierend für ein Kind. Und wie sieht es in den weiteren Lebensjahren aus? Sicherlich nicht besser. Warum das nicht gut für die Entwicklung unserer Kinder ist, haben wir Euch bereits in unserem letzten Artikel gezeigt. Doch wie schafft man es, die Anzahl der „Neins“ zu minimieren? Hierfür möchte ich Euch in diesem Artikel 5 hilfreiche Tipps geben:

Tipp 1: Schaffe eine „Nein-arme“ Umgebung

Sobald Babys mobil werden, kann es anstrengend werden. Der Aktionsradius und Forscherdrang werden größer und größer. Es gibt 2 Wege, damit umzugehen:

  • Man rennt ständig hinter dem Kind her, schaut was es macht und ermahnt es, wenn es etwas erforschen will, was nicht gerade für Babys gedacht ist.
  • Man stellt sich auf die neuen Anforderungen ein und räumt ein wenig um.

Als Tim mobil wurde, räumte ich vor allem unsere Küche um – in die unteren Schubladen und Schränke kamen Dinge, die nicht kaputt gehen konnten und die von Tim untersucht und erforscht werden durften. Natürlich hätte ich auch alle Schränke verschließen können. Wollte ich dem Forscherdrang meines Kindes aber so begegnen?
Auch zerbrechliche Dinge in anderen Zimmern kamen außer Reichweite und so schaffte ich eine Nein-arme Umgebung, in der Tim seinem Forscherdrang nachgehen konnte ohne ständige „Neins“ befürchten zu müssen. Das mache ich übrigens auch heute noch so. Bei uns liegen z.B. Rohkostschokolade, Fotokamera oder andere konfliktträchtige Dinge nicht offen herum 😉 .

Also, räumt alles weg, was euch lieb ist und nicht kaputt gehen soll oder was gefährlich ist. Räumt ein wenig die Wohnung um, lasst Dinge nicht liegen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Konflikt führen können. Es wird so viel einfacher, wenn man nicht ständig Verbote aussprechen muss. Und zum Glück gibt es dann auch viel weniger schlechte Stimmung 🙂

Tipp 2: Alternativen schaffen, um Konflikte zu vermeiden

Es gibt natürlich auch Situationen, die wir als Eltern nicht möchten, die man aber auch nicht „wegräumen“ kann. Wenn Dein Kind z.B. die Wand anmalen oder mit einem Kinderhammer auf die Zimmertür einschlagen will. Statt hier aber nur Nein zu sagen, sollte man sich nach einer Alternative umsehen. Dann geht es einfacher. Seid kreativ.

Beim Wandanmalen könntet ihr z.B. ein großes Papier an die Wand hängen, welches die Kinder dann anmalen dürfen, oder ihr holt die Fingerfarben aus dem Schrank und geht ins Badezimmer, um dort die Fliesen anzumalen.
Meine beiden Jungs hämmern sehr gerne mit ihren Holzhammern. Ich habe im Keller nach aussortierten Sachen gesucht (z.B. Blechdosen), auf denen sie rumhämmern können und die zudem noch ganz viel Krach machen (sehr wichtig 😉 ).

Tipp 3: Jedes Nein hinterfragen

Sehr wichtig erscheint es mir, immer zu hinterfragen, warum man eigentlich Nein sagt. Lukas möchte z.B. oft Salat zupfen und waschen. Und oft liegt mir das Nein schon auf der Zunge. Warum? Weil das für mich zusätzlichen Aufwand bedeutet und alles dann länger dauert. Aber was ist denn daran schlimm, wenn wir 5 Minuten später essen? Und was ist schlimm daran, ihm danach einen neuen Pulli anzuziehen, weil der andere pitschepatschenass ist? Wenn ich es erlaube, schaue ich einem glücklichen, forschenden, lachenden Lukas zu, der voller Begeisterung und Inbrunst diesen Salat zupft und wäscht. Mit viel mehr Liebe als ich es je machen würde. Kinder sind Meister darin, alles bewusst zu machen – aber das ist ein anderes, sehr interessantes Thema 😉

Seht nicht alles als Arbeit und Aufwand. Ich weiß, das ist schwierig, weil man als Mama eh schon viel zu tun hat. Seht den Spaß und die Begeisterung in den Augen der Kinder!

Tipp 4: Hinweise statt Verbote

Oft reicht es aus, Kinder auf etwas hinzuweisen oder seine Bedenken zu äußern, anstatt gleich ein Verbot auszusprechen. Kinder haben noch nicht den allumfassenden Blick. Sie spielen und erforschen. Wenn wir sie allerdings auf etwas hinweisen, was sie nicht bedacht haben, reagieren sie meistens einsichtig, ohne dass wir ein Verbot aussprechen müssen.

Wenn wir z.B. auf einer Hunde-Gassi-Autobahn mit Grünstreifen am Rand unterwegs sind und die Kinder mal wieder auf dem Grünstreifen laufen, reicht es aus zu sagen: „In dem Rasen sind ganz viele Kacka-Haufen“. Die Kinder kommen dann wieder zu uns auf den Weg. Oder anstatt zu sagen „Geh weg vom Fluss, deine Hose wird nass!“ reicht: „Oh, schau mal: deine Hose wird gleich nass und ich habe keine Ersatzhose dabei.“

Tipp 5: Empathie, Empathie und Empathie

Dein Kind erforscht die Welt! Es ist unbedarft, glücklich und frei. Es wägt keine Vor- und Nachteile ab, es denkt nicht an die Zukunft. Es lebt im Jetzt. Wärst du nicht auch gerne so?

Bei allem, was dein Kind macht, versetzt dich in seine Lage und habe Mitgefühl. Halt kurz inne, bevor du das nächste Mal gleich Nein sagst. Ist es wirklich notwendig, das Nein auszugsprechen? Kinder wollen uns nicht schaden oder ärgern, sie wollen die Welt erforschen und alles ausprobieren. Lasst uns diesen Forscherdrang nicht unterbinden!

Und wenn das Nein unvermeidbar ist?

Wenn du doch mal Nein sagen musst und damit einen Kinderwunsch ausschlägst, dann versuche es doch freundlich, ohne gleich sauer oder wütend zu werden. Mir ist aufgefallen, dass viele Eltern mit ihren Kindern oft sehr hart und rau sprechen, wenn es um Verbote geht. Würden wir so auch mit unserem Partner oder Arbeitskollegen sprechen, wenn uns etwas nicht passt oder wir ihm einen Wunsch abschlagen?

Wenn du deinem Kind die Schokolade vor dem Essen verbietest, dann habe Mitgefühl, dass es traurig und wütend ist. Zeig Verständnis, bleib aber bei dem Nein, wenn du das willst. (Aber wer sagt eigentlich, dass man Schokolade nur nach dem Essen bekommt und nicht davor? 😉 )

Übrigens: Es geht hier nicht darum, nie Nein sagen zu dürfen und alle Wünsche des Kindes zu erfüllen. Es geht darum, unsere Neins zu hinterfragen und sparsamer mit Verboten umzugehen.

Einige von euch werden vielleicht einwenden: „Ja aber man muss den Kindern doch Grenzen setzen! Wenn man alles erlaubt und Kinder immer nur das machen, was ihnen gefällt, kann das nicht gut sein.“ Aber es gibt doch ohnehin schon so viele Regeln und Grenzen. Und auch Zwänge. So können Kinder oft nicht das tun, was sie möchten. Da müssen wir hier einkaufen gehen, dann ab zur Post ein Paket abholen, schnell noch zur Oma, etwas abgeben …. Wie oft habe ich meine Kinder schon aus einem vertieften Spielen herausgerissen, um einkaufen zu gehen, auch wenn ich eigentlich jemand bin, der auch mal alle Pläne vergisst, um genau das zu vermeiden?

Mit diesen 5 Tipps sollte es uns leichter fallen, zumindest das ein oder andere Nein zu vermeiden. Ihr werdet sehen: das ist gar nicht so schwer! Und macht sogar Spaß – wenn Du nachher stolz darauf bist, wie Du eine Situation kreativ gelöst hast. Und: Du sorgst dafür, dass Deine Kinder das Wünschen und Träumen nicht verlernen.

Jetzt kommentieren

Du bist gefragt!

Hast du noch eine Idee, wie man „Neins“ und Verbote vermeiden kann? Ich will’s wissen! 😉 Hinterlass einfach einen Kommentar hier!
Jetzt kommentieren