Ordnung mit Kindern: Warum Aufräumen für mehr Ruhe & weniger Stress sorgt

Mein Opa hat immer gesagt: Ordnung ist das halbe Leben! Er hatte viele solcher Redewendungen auf Lager – und weil er sie mir nie erklärt hat, gingen sie mir oft zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Redewendungen von Erwachsenen halt… 😉 Jahres später dann holte das mit der Erklärung ein Buch für ihn nach und ich durfte plötzlich erfahren, wie weise (mindestens diese eine) Redewendung doch ist.

Warum Ordnung gut für uns und unsere Kinder ist

Bevor ich Dir diese Geschichte erzähle, noch kurz die Motivation, warum ich sie mit Dir teile. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein gewisser Grad an Ordnung wichtig für uns ist. Für uns Erwachsene, aber sicher auch für unsere Kinder. Viele Eltern fragen sich allabendlich, ob es wirklich sein muss, die Kinder zum Aufräumen zu animieren – mit dem Missmut und den Widerständen, die das oft mit sich bringt. Einfach geschwind selbst aufräumen wäre einfacher. Oder einfach alles so lassen – morgen sieht es ja eh wieder gleich aus. Nein, ich möchte den gewissen Grad an Ordnung haben. Denn ich weiß, er wirkt beruhigend auf unseren Geist und auch unsere Kinder spüren das – trotz eventueller Widerstände. Das kann man auch im oben schon erwähnten Buch nachlesen – den Link dazu findest Du ganz unten.

Als ersten kleinen „Beweis“ kannst Du kurz die Augen schließen und Dir folgendes vorstellen: ein gemütliches, aufgeräumtes Zimmer, nichts liegt auf dem Boden, keine überquellenden Regale, eher minimalistisch, mit einer schönen Palme in der Ecke. Hast Du das Bild? Jetzt ein anderes: ein total vollgestopftes Zimmer, die Bücher stehen in der 3. Reihe, in den Schubladen herrscht Chaos, auf dem Boden liegt Wäsche und Spielzeug, auf dem Sessel stapeln sich Zeitschriften und zu nähende Klamotten. Spürst Du das? Und jetzt stelle Dir vor, Du stillst in einem der beiden Zimmer Dein Baby (wenn Du ein Papa bist, vielleicht eine mittelgroße Herausforderung ;-)). In welchem werdet Ihr beide mehr Ruhe und Entspannung finden? Ich bin mir ganz sicher, dass auch ein Baby ganz unbewusst das Chaos und die Ordnung um sich herum spürt und das aufgeräumte Zimmer bevorzugen würde…

Jetzt aber endlich zu meiner Geschichte… 😉

Wie ich zur Ordnung kam

Ich hatte damals (mit Mitte 20!) das Gefühl, unter der Last meiner (selbst auferlegten) Aufgaben keine Luft mehr zu bekommen und suchte einen Weg, diese Last zu verringern. Dabei stieß ich auf ein Buch, das versprach, das Leben zu vereinfachen. Das klang gut, denn meines fühle sich schrecklich kompliziert und sperrig an. Total stressig. Im ersten Kapitel dieses Buchs ging es um ein ziemlich profanes Thema. Keine Techniken und Weisheiten, um mein Mindset zu ändern und mit allem besser klar zu kommen – sondern Tipps und Techniken, um aufzuräumen. Ganz weltliches Aufräumen….

Äußere Ordnung sorgt für innere Ordnung, Kontrolle, Ruhe und Gelassenheit

Wie soll das mein Leben entstressen? Erstmal wurde mein Leben dadurch tatsächlich sogar etwas stressiger. Aber schon nach der 1. gezielten Aufräumaktion merkte ich, wie ich zufriedener wurde, ruhiger und gelassener. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich angefangen habe, aber nach ordentlich Arbeit, die ich begeistert auf mich genommen habe, war nicht nur Ordnung in meiner Umgebung, sondern auch in meinem Kopf.

Der Grund dafür ist ganz einfach! Ich erkläre das mal am Beispiel von einem Schreibtisch. Im Laufe der Monate kann sich darauf allerlei ansammeln: Briefe, Notizen, ausgeschnittene Artikel, abzuheftende Dokumente, Sachen zum Kleben, zu lesende Zeitschriften, Büroutensilien, zu reklamierende Gegenstände, zu stopfende Socken, aufzuräumende USB-Sticks und vieles, vieles mehr. Stell Dir mal einen solchen Schreibtisch vor! Und jetzt stelle Dir den gleichen Schreibtisch vollkommen aufgeräumt vor: eine leere Oberfläche, ein Ständer mit wenigen Stiften darin, Tastatur, Maus und eine schöne Pflanze. Und vielleicht noch ein schöner Timer mit Todoliste. Mehr nicht. Spürst Du den Unterschied? Bei mir ist im ersten Fall der Bauch angespannt, was ich aber erst merke, wenn ich an den ordentlichen Schreibtisch denke und fühle, wie sich der Bauch entspannt. Anspannung bedeutet bei mir immer Stress.

Ein voller Schreibtisch sorgt für Unklarheit und Chaos im Kopf. Lauter Dinge, die erledigt werden sollten, aber man weiß nicht, welche und wie viele. Man weiß nicht, ob irgendwelche Rechnungen darunter sind, die bereits überfällig sind, man weiß nicht, wo man anfangen soll, findet nichts, hat keinen Überblick. Ein voller Schreibtisch sorgt für ein unterschwelliges Stressgefühl. Er bindet unmerklich Aufmerksamkeit, Energie. Und so ist das auch mit einem unordentlichen Wohnzimmer oder einer chaotischen Küche. Oder mit dem „Stillzimmer“ aus meinem ersten Beispiel. Probiere es einfach mal aus: Räume einen Raum oder auch nur einen Schrank komplett auf und fühle, wie gut und leicht sich das nachher anfühlt!

Für mich ist das am spürbarsten beim Schreibtisch. Denn ein ordentlicher Schreibtisch gibt mir auch das Gefühl, wieder Kontrolle über mein Leben zu haben. Da ist nichts im Chaos versteckt, alle Notizen sind im Computer archiviert, alle Aufgaben auf einer Liste notiert und priorisiert. Nichts kann vergessen werden – alles ist in Ordnung. Ein chaotischer Schreibtisch dagegen kontrolliert mich auf subtile Art und Weise.

Weg mit dem Ballast!

Am effektivsten ist der Aufräumeffekt, wenn man bei der Aufräumaktion auch gleich die Hälfte der Gegenstände entsorgt. Weil damit nämlich noch eine Menge realer und geistiger Ballast verschwindet. Man sagt ja, dass Besitz Energie bindet und be“lastet“. Das kann man spüren, wenn man im Rahmen einer Aufräumaktion Ballast über Bord wirft.

Ein Beispiel: ich hatte damals mehrere Zeitschriften abonniert. Ich habe mich total gefreut, wenn die neuste Ausgabe vom Focus oder PC Games in meinem Briefkasten lag. Aber ich habe es niemals geschafft eine Zeitschrift zu mehr als 10 % zu lesen. So wurde mein Stapel mit noch zu lesenden Zeitschriften immer höher. Und erst als ich mich getraut habe, den Stapel komplett zu entsorgen, habe ich gemerkt, wie mir eine Last von den Schultern genommen wurde. Ich war mit einem Schlag freier, weil die innerlich selbst auferlegte Last, das alles noch lesen zu „müssen“, plötzlich weg war. Und das beste: ich habe alle Abos sofort gekündigt! Kein neuer Ballast – und eine Menge Geld gespart. Und wenn ich doch mal Lust auf eine PC Games hatte, habe ich mir einfach eine gekauft, die Artikel gelesen, auf die ich Lust hatte und dann wieder weg damit.

Ich habe danach noch viele weitere, ähnliche Erfahrungen gemacht. Mit meinem vollen Kleiderschrank, unserer vollen Küche, dem vollen Keller, dem vollen Dachboden uvm. Das gleiche Spiel habe ich mit Verträgen (vor allem von Versicherungen), Mitgliedschaften u.ä. gemacht.

Was erzählt der Christian da?

Wenn Du das noch nie probiert hast, hältst Du mich jetzt vielleicht ein bisschen für bekloppt. Zu meiner Verteidigung führe ich an, dass das Konzept ja nicht auf meinem Mist gewachsen ist – ich habe einfach mal probiert, ob es stimmt, Und für mich war das so – und hat mein Leben tatsächlich entstresst. Und es gibt ja sogar Feng Shui-Theorien, die besagen, dass z.B. in der „Erfolgsecke“ keine Unordnung sein sollte, wenn man den Erfolg nicht behindert möchte. Ähnliches gilt für den Liebesbereich. Wenn das keine Motivation ist, jetzt sofort mit dem Aufräumen loszulegen! 😉

Dein erster Schritt (und noch eine Redewendung)!

Wenn Du mir nicht glaubst: Probieren geht über Studieren. Noch so eine Redewendung von meinem Opa. Noch eine, die wahr ist 😉 Schnapp Dir Deine Kinder, nehmt Euch jeden Tag eine Ecke Eurer Wohnung vor und schafft darin Ordnung. 30 Minuten reichen schon, um die Veränderung zu spüren. Diese Art von Aufräumen und Ausmisten macht zumindest bei uns in der Familie allen Spaß und die Kinder entdecken dabei oft versteckte Schätze! Danach werden einige der Schätze dann auf ebay Kleinanzeigen inseriert – und der Erlös landet im Sparschwein. Oder im Bauch, bei einem gemeinsamen Essen im Lieblingsrestaurant 😉

Ordnung halten & was Kinder dazu sagen

Und dann sorge dafür, dass die Wohnung immer einen gewissen Grad an Ordnung behält. Durch alltägliches Aufräumen und regelmäßige größere Aufräumaktionen. Und wenn es mal wieder Widerstände gibt beim täglichen Aufräumen der Spielsachen, denk immer daran: es ist gut für die Ordnung im Kopf, fürs Gemüt, für Ruhe & Gelassenheit. Ordnung sorgt für mehr Klarheit und Energie. Bei Dir und Deinen Kindern. Aufräumen hat also einen tieferen Sinn und dient nicht dazu, die Kinder zu ärgern. Und so ganz nebenbei sorgt Ordnung auch dafür, dass Ihr alle Zeit spart, weil größere Suchaktionen vermieden werden können, wenn jeder weiß, wo welcher Gegenstand hingehört, weil jeder Gegenstand seinen Platz hat.

[Noch ein Tipp um den Aufräumaufwand klein zu halten: Unser Spielzeug-Experiment: warum weniger tatsächlich mehr ist…]

Übrigens: unsere Kinder werden oft unzufrieden, wenn das Chaos um sie herum zu groß wird. Umgekehrt: räumen wir zusammen auf, entsteht plötzlich wieder Raum. Nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Kopf unserer Kinder. Oft beginnen sie plötzlich mit neuen Spielen – einfach weil vorher der Platz dafür nicht da war. Oder sie werden beim Aufräumen mit neuen Spielideen versorgt, weil sie z.B. beim Einräumen den Detektivkoffer (wieder) entdeckt haben.

[Und noch ein Interview-Tipp zum Thema Spielzeug: Spielen ohne Zeug – Wie viel Spielzeug braucht (verträgt) ein Kind?]

Ich habe mal unseren Großen interviewt für diesen Artikel 😉 Ich zitiere sinngemäß: „Ich fühle mich besser, wenn das Wohnzimmer aufgeräumt ist. Nicht nur weil ich dann mit meinem Bruder wieder toben kann. Das Aufräumen macht mir aber keinen Spaß, weil ich oft nicht weiß, wohin mit bestimmten Dingen (z.B. Zeichnungen, Basteleien) und weil der Schrank so voll ist, dass ich manche Sachen nicht mehr hineinbekomme.“ Zeit also, zusammen mit ihm mal wieder für Ordnung zu sorgen – und Ordnungsbehälter für Zeichnungen und Basteleien zu organisieren! 😉

Aber bitte kein Stress – und warum Kinder selbst aufräumen sollten

Dann empfehle ich Dir das oben erwähnte Buch – Simplify your life. Link dazu s.u. Es enthält viele Tipps zum Aufräumen und Ordnen und ist sehr motivierend, um am Ball zu bleiben.

Und ganz, ganz wichtig: Ordnung schaffen soll keine belastende weitere Todo auf Deiner langen Todo-Liste werden! Ordnung schaffen ist gewissermaßen eine Therapie, die aber nicht krampfhaft und auf Teufel komm raus gemacht werden darf – sonst steigt der Stress, statt zu sinken.
Und immer daran denken: schon mit 20 % Aufwand kann man (oft) bereits 80 % des Ergebnisses erzielen – es muss als nicht perfekt sein! 😉

Bleibt noch die Frage offen, ob es im Zweifel nicht doch reichen würde, wenn nur wir Erwachsenen das Aufräumen übernehmen? Ich halte es für sinnvoll, dass unsere Kinder schon früh lernen, dass Aufräumen zum Alltag gehört und jeder in unserer kleinen Gemeinschaft seinen Beitrag zu dieser Ruhe schaffenden Tätigkeit leisten muss.

simplify your life: Einfacher und glücklicher leben
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  • Werner Tiki Küstenmacher, Lothar Seiwert
  • Herausgeber: Campus Verlag
  • Auflage Nr. 17 (13.10.2016)
  • Gebundene Ausgabe: 453 Seiten

Letzte Aktualisierung am 21.09.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API