Scheinheilige Getränkekartons & die Frage, ob Pflanzenmilch gesund ist

Eigentlich sollte dieser Artikel ursprünglich nur die Frage beantworten, ob Pflanzenmilch (als Kuhmilchersatz) gesund ist. Weil es Pflanzenmilch aber nur im Getränkekarton gibt, musste ich mir zuvor auch das Thema Tetra Pak & Co. näher anschauen. Das ist ein bisschen umfangreicher geworden als ursprünglich geplant 😉 Dieser Artikel besteht daher aus 2 Teilen: Teil 1 beschäftigt sich mit möglichen Gesundheitsgefahren von Getränkekartons, Teil 2 mit der Frage, wie gesund Pflanzenmilch für uns ist.

Wozu überhaupt Pflanzenmilch?

In unserer Gesellschaft gilt Milch als ein gesundes und wichtiges Grundnahrungsmittel und wird in riesigen Mengen konsumiert. In den letzten Jahren wurden jedoch immer mehr Stimmen laut, lieber Abstand von Kuhmilchprodukten zu nehmen – aus ethischen, ökologischen aber besonders auch aus gesundheitlichen Gründen. Wir hatten z.B. einen Neurodermitisfall in der Familie und haben auf diese Weise die Bekanntschaft mit unzähligen Therapeuten gemacht. Die zwei ersten Fragen bei der Ursachensuche waren fast durchgängig: „Wurde der Patient geimpft?“ und „Konsumiert der Patient Kuhmilchprodukte?“…

Wir haben schon vor Jahren Kuhmilchprodukte komplett von unserem Speiseplan gestrichen. Und dabei festgestellt: es ist schwer, auf Milch zu verzichten. Man braucht sie für Müsli, im Kaffee, in Saucen, beim Backen uvm. Hier kann Pflanzenmilch helfen – die in vielen Anwendungsfällen die Kuhmilch prima ersetzen kann. Ok, wir mussten ein wenig ausprobieren, zumal z.B. eine Reismilch vom Hersteller A eklig schmecken kann und eine Reismilch vom Hersteller B total lecker. Nach etwas Experimentieren haben 2 Sorten Pflanzenmilch Einzug in unsere Küche erhalten: Reismilch von dm und Hafermilch von Natumi.

Was ich mich nun seit einiger Zeit frage: ist Pflanzenmilch eigentlich gesund? Tun wir uns damit etwas Gutes oder eher etwas Schlechtes? Sind wertvolle Nährstoffe drin? Und was ist mit der Verpackung: aus was ist die eigentlich genau und gibt sie Schadstoffe an ihren Inhalt ab?

Zeit, die Sache endlich mal genauer unter die Lupe zu nehmen! 🙂

Noch ein Hinweis: wenn ich in diesem Artikel über Pflanzenmilch rede, dann meine ich Pflanzendrinks wie Haferdrink, Sojadrink, Reisdrink & Co. Zumindest in Deutschland dürfen die Hersteller von Pflanzenmilch die Bezeichnung „Milch“ nicht im Produktnamen verwenden. Vermutlich, weil die Kuhmilchlobby sich durch die Pflanzenmilch bedroht fühlt… 😉

Die Verpackung: Sind Getränkekartons schadstofffrei?

Ich kenne keine einzige Pflanzenmilch, die in Glasflaschen verkauft wird. Egal ob Sojadrinks, Getreidedrinks usw. – alle kommen im Pappkarton daher. Diese Pappkartons werden von verschiedenen Firmen hergestellt – die bekannteste ist wohl die Firma Tetra Pak aus der Schweiz. Allerdings ist die Bezeichnung „Tetra Pak“ mittlerweile zu einem Gattungsnamen geworden, so dass wir auch die Pappkartons anderer Hersteller als Tetra Paks bezeichnen. Ähnlich wie wir Papiertaschentücher meist „Tempo“ nennen 😉

Ich beschränke mich im Folgenden auf Pappkartons der Firma Tetra Pak, weil auch unsere beiden Lieblingspflanzenmilchsorten in einem solchen Karton verkauft werden. Aus was besteht eigentlich so ein Tetra Pak? Wirklich nur aus Pappe? Zumindest die Packungen unserer Hafermilch setzen sich so zusammen (Quelle: Natumi):

  • Ganz innen befindet sich eine Schicht aus Kunststoff (PE = Polyethylen).
  • Dahinter folgt eine hauchdünne Schicht aus Aluminium. Soll den Inhalt vor Licht und Sauerstoff schützen.
  • Es folgt eine weitere Schicht aus PE.
  • Dann Karton (Anteil: 75 – 80 %).
  • Und ganz außen folgt nochmals eine Schicht aus PE.

Die Pflanzenmilch ist also permanent mit PE in Kontakt. Mit der Aluschicht soll sie nicht in Berührung kommen – die ist ja durch die PE-Schicht geschützt. Natürlich wird gesagt, dass das eingesetzte PE keinerlei Weichmacher enthält. Und auch das Alu sei völlig ungefährlich, selbst wenn die PE-Schicht beschädigt sein sollte. Letzteres glaube ich nicht (warum, kannst Du hier nachlesen), bei ersterem bin ich skeptisch. Daran ist vermutlich der Film Plastic Planet „schuld“. Selbst wenn wirklich keine Weichmacher in das Lebensmittel gelangen – es ist m.E. gar nicht möglich, den Inhalt auf alle möglichen Kontaminationen mit Fremdstoffen zu untersuchen und auch eine mögliche Gesundheitsgefahr durch einzelne Stoffe zuverlässig bewerten zu können.

Bestätigt wird meine Skepsis z.B. durch einen Wikipedia-Eintrag zu Getränkekartons: „Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Münsterland-Emscher-Lippe in Zusammenarbeit mit der Universität Münster zeigen, dass Mikroplastik vom Verpackungsmaterial in den Inhalt und somit direkt in die menschliche Nahrungskette gelangt. Es wurden Polymere wie Polyethylen und Polyolefine gefunden.“.

Wie wenig man den Herstellern und auch Kontrollstellen vertrauen darf, zeigt eine kurze 3sat-Reportage aus 2010. Hier erfährt man, dass beim Bedrucken der Getränkekartons die Außenseite der Kartons mit der Innenseite in Berührung kommt, wodurch diese damals mit der giftigen Chemikalie ITX verunreinigt wurde. Erschreckend ist der Umgang der Behörden mit dieser Erkenntnis: während z.B. in Italien betroffene Getränke beschlagnahmt und vernichtet wurden, haben in Deutschland Behörden und Hersteller dubiose Absprachen getroffen. Mit dem Ergebnis, dass kontaminierte Verpackungen weiter verkauft werden durften. Die Aufklärung wurde von den Behörden wohl absichtlich verschleppt. Wodurch ITX anschließend ersetzt wurde, wurde jahrelang verheimlicht.

Ich lasse in diesem Artikel mal den ökologischen Aspekt außer Acht – einfach aus Platzgründen. Aber auch hier käme – nach meinem ersten Eindruck – Tetra Pak weniger gut weg, als gerne kommuniziert wird. Einen guten Eindruck davon, erhält man in dieser ZDF Reportage. Demnach geben Getränkekarton-Hersteller an, dass sehr viele Kartons recycelt werden, d.h. neue Produkte daraus entstehen. Die Reportage kommt zu dem Ergebnis, dass das nicht stimmt: Getränke-Kartons sind demnach ökologisch alles andere als vorteilhaft. Anders formuliert: hier werden Zahlen bewusst geschönt. Die Hersteller möchten dazu keine Stellung nehmen, die Behörden sehen keinen Grund, der Sache nachzugehen. Keine Antwort ist oft auch eine Antwort…

Mein Fazit: Kiki und ich vermeiden schon seit Jahren Plastikpackungen für Lebensmittel wo es nur geht. Bei Pflanzenmilch geht es leider nicht anders. Nach meinen Recherchen habe ich das Vertrauen in Tetra Pak & Co aber komplett verloren – und der Kompromiss, bei der Pflanzenmilch ausnahmsweise doch auf Kartons zu setzen, ist keiner mehr. Im Grunde bleibt wirklich nur, Pflanzenmilch künftig selbst herzustellen, um Giftstoffe durch die Verpackung zu vermeiden. Aber schauen wir erst einmal, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt… 😉

Der Inhalt: Ist Pflanzenmilch von den Inhaltsstoffen her gesund?

Mich hat interessiert: ist Pflanzenmilch gesund? Und zwar in dem Sinne, dass sie keine krankmachenden Stoffe enthält? Aber auch dass sie uns mit wertvollen Nährstoffen versorgt. Um den Rechercheaufwand geringer zu halten, habe ich im Folgenden Sojadrinks ausgeklammert. Erstens, weil Soja ja immer noch sehr umstritten ist, zweitens, weil wir selbst keine Sojamilch trinken und mich das daher bislang auch nicht sonderlich interessiert hat 😉
Bei den Getreide- und Nussmilchsorten beschränke ich mich beispielhaft auf Hafermilch und Mandelmilch. Los geht’s mit Getreidemilch…

Ist Pflanzenmilch ein Nährstofflieferant?

Schauen wir uns zunächst die Frage mit den wertvollen Nährstoffen an. Um Getreidemilch herzustellen, wird das Getreide in Wasser eingeweicht, gekocht und püriert. Der entstandene Brei wird gefiltert. Übrig bleibt eine milchig aussehende Flüssigkeit. Nachdem, was ich in verschiedenen Artikeln lesen konnte, sind in dieser Flüssigkeit nur sehr wenige Nährstoffe enthalten. Mich stört auch der Kochvorgang, denn es heißt ja immer, das dadurch Nährstoffe zerstört werden.

Zwischenfazit: Nährstoffbomben sind Pflanzendrinks also sicher nicht. Für mich sind sie reine Genussmittel und in der veganen Küche zudem wichtige Zutaten, um Kuhmilchprodukte zu ersetzen. Wer meint, aus Sicht des Nährstoffgehalts das tägliche Glas Kuhmilch durch Pflanzenmilch ersetzen zu können, liegt also falsch. Wobei das tägliche Glas Kuhmilch aus meiner Sicht ohnehin in Frage gestellt werden sollte.
Ich finde die Zusammenfassung auf urgeschmack.de ziemlich treffend: „Es handelt sich praktisch um gefärbtes, angedicktes Wasser mit ein paar Nährstoffen aus Getreide und Pflanzenöl.“

Wenn die Legitimation für Pflanzenmilch auf Koch-/Backzutat und auf Einsatz als Genußmittel beschränkt wird, muss sie kein Nährstofflieferant sein. Sie darf aber auch keine schädlichen Stoffe enthalten. Wie sieht es damit aus?

Enthält Pflanzenmilch schädliche Inhaltsstoffe?

In unserer Natumi Hafermilch findet man bei den Inhaltsstoffen: Wasser, Vollkornhafer, Sonnenblumenöl, Meersalz. Der Reisdrink von dm enthält Wasser, Reis, Sonnenblumenöl, Meersalz und die Seealge Lithothamnium. Wir müssten jetzt kleinlich sein und fragen, ob das eingesetzte Wasser gefiltert ist oder ungefiltert und u.U. Medikamentenrückstände u.ä. enthalten könnte. Wir könnten auch fragen, woher das Meersalz und die Alge kommen – unsere Meere sind ja nicht gerade bekannt dafür, sauber zu sein, im Gegenteil! Die Alge ist übrigens nur drin, weil Kiki die Calcium-Variante der Reismilch gekauft hat. Sonnenblumenöl ist m.W. auch nicht ganz unumstritten, aber unterm Strich gehen für mich die Inhaltsstoffe i.O. für den beschriebenen Einsatzzweck. Es gibt aber auch Pflanzenmilch mit einer längeren Inhaltsstoffliste – hier würde ich dann genau hinschauen. Z.B. ob die Milch gesüßt ist, Konservierungsstoffe enthält etc.

Achtung: z.B. auf unserer Pflanzenmilch steht: Ohne Zuckerzusatz. Enthält natürlichen Zucker aus der Reis-. bzw. Haferfermantation (konkret: 67 g pro Liter bei der Reismilch und 56 g pro Liter bei der Hafermilch).
Fermantation? Bei der Herstellung von zumindest Hafer- und Reismilch werden Enzyme zur Fermentation zugesetzt. Die Autorin von endlichzuckerfrei.de, Ilga Pohlmann, hat für einen Artikel zu Hafer- und Reismilch nachgeforscht und herausgefunden, dass durch die Fermentation ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt wird. Dieser Umwandlungsprozess sei vergleichbar mit der Zuckerherstellung in Raffinerien. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass in einem Liter ihrer Lieblingshafermilch ungefähr 50 g Zucker enthalten sind – was 12,5 TL Zucker entspricht.
Das erklärt nun auch, warum uns selbstgemachte Pflanzenmilch nicht ansatzweise so gut schmeckt wie die aus dem Tetra Pak….

Ilga Pohlmann erklärte mir auf Anfrage noch etwas genauer den Unterschied zwischen dem Zucker im (als gesund geltenden) Hafer und dem Zucker in der Hafermilch:
„Saccharose (Haushaltszucker) ist ein Zweifachzucker, eine Verbindung aus Glucose und Fructose. Bei dem Zucker in der Hafermilch handelt es sich um Glucose, ein Einfachzucker, der entsteht, wenn die Mehrfachzucker (Glucose-Verbindungen: Stärke) in der Flüssigkeit durch die Enzyme aufgespalten werden. Danach befindet sich dieser Einfachzucker in der Flüssigkeit ohne die Ballaststoffe und andere Nährstoffe mit denen wir sonst den Mehrfachzucker im Hafer zu uns nehmen, und kann sehr schnell ins Blut übergehen und sorgt so für einen schnellen Blutzuckeranstieg. Wenn die Glucose im Hafer „versteckt“ ist, benötigt der Körper viel Zeit, um alles von einander zu trennen und zu verdauen und dabei geht der Zucker nur sehr langsam ins Blut.“

Was ist mit Sojamilch?

Was ist mit Sojamilch? Die habe ich bei meiner Untersuchung ja wie oben erwähnt ausgeklammert. Kritisch zu recherchieren, ob Soja jetzt gesund oder ungesund ist, schreit nach einem eigenen Artikel 😉 Wer so lange nicht warten möchte, der kann sich schon mal hier informieren: https://www.urgeschmack.de/problem-soja/

Was ist mit Nussmilch?

Ich kann in diesem Artikel leider nicht auf alle Pflanzenmilch-Sorten eingehen. So gibt es ja z.B. noch Hirsemilch, Mandelmilch, Hanfmilch, Haselnussmilch, Dinkelmilch – und Mischung aus verschiedenen Sorten.

Interessant ist vielleicht noch eine Nussmilch, wie z.B. Mandelmilch. Bei Mandelmilch werden Mandeln oder Mandelraspel mit Wasser übergossen – das Ergebnis wird nachher ausgesiebt. In beiden Fällen ist der Nährstoffgehalt wieder recht gering. Allerdings scheint Mandelmilch nicht fermentiert zu werden. So finde ich bei der Provamel Mandelmilch bei den Nährstoffangaben bei Zucker 0 g. Wem die Milch dann zu bitter ist, der könnte mit alternativen Süßungsmitteln wie Stevia oder vielleicht auch Xylit ein wenig Süße hineinbringen.

Zum Schluss: Was ist mit Gluten?

Viele Getreidesorten sind glutenhaltig. Ob das auch für die daraus hergestellten Pflanzendrinks gilt, weiß ich nicht. Da wir nur Haferdrink trinken, ist das für uns aber auch nicht so relevant, denn Hafer gilt als glutenfrei und kann von Menschen, die empfindlich auf Gluten reagieren, gegessen werden, solange es in der Produktion nicht durch Weizen „verunreinigt“ wurde. Rein technisch gesehen ist Hafer allerdings wohl nicht glutenfrei, Mehr dazu einmal mehr hier bei Urgeschmack.

Mein Fazit

Aber was ist denn nun mein Fazit? Welche Pflanzendrinks kann ich nun empfehlen? Im Grunde keine, denn es gibt sie alle nur im Getränkekarton, was ja eigentlich schon als K.O.-Kriterium ausreicht. Auch aus Nährstoffsicht bieten sie keinen Mehrwert – zumindest die, mit denen ich mich beschäftigt habe im Rahmen dieses Artikel. Es handelt sich um ein künstlich hergestelltes Fertigprodukt – aber die Liste der Inhaltsstoffe ist immerhin überschaubar, zumindest bei den Sorten, die ich mir angeschaut habe. Wer zuckerarm leben möchte, sollte von fermentierten Sorten Abstand nehmen und eher zu einer ungesüßten Mandelmilch greifen. Damit fallen für uns unsere beiden Lieblingssorten weg. Das Dilemma ist, dass wir dann aber stark eingeschränkt wären in der Küche. Deswegen möchte ich selbstgemachter Pflanzenmilch noch mal eine Chance geben. Unser bisherigen Experimente damit haben nicht geschmeckt oder waren sehr aufwändig – vor allem den Putzaufwand des Nussbeutels habe ich noch ziemlich heftig in Erinnerung. Vielleicht geht es auch doch besser schmeckend und weniger aufwändig? Mehr dazu vielleicht in einem weiteren Artikel 😉