4 gute Gründe + 1 guter Weg für einen Familienalltag ohne Schimpfen & Meckern

Wetten, dass…?

Wetten, dass Du es nicht schaffst, den morgigen Tag zu verbringen ohne Dich ein einziges Mal über jemanden oder etwas beschwert oder beklagt (oder geschimpft) zu haben? 😉

  • Über die Socken, die Dein Sohn (oder Partner) mal wieder an der Stelle liegen gelassen hat, an der er sie ausgezogen hat (scheinbar im Gehen, denn eine liegt in der Küche, die andere im Wohnzimmer – in der Nähe des Paars von gestern).
  • Darüber, dass Du noch die Wäsche aufhängen musst.
  • Über das Wetter, im Gespräch mit der Nachbarin.
  • Über Dich selbst, weil Du gerade Deiner Tochter gegenüber ungeduldig geworden bist und geschimpft hast, obwohl Du Dir doch vorgenommen hast, das nicht mehr zu tun.
  • Darüber, dass Deine beiden Jungs sich schon wieder lautstark kloppen.
  • Usw.

Probiere es mal! Die Regeln: nicht eine Beschwerde über jemanden oder etwas, nicht eine Klage, nicht eine Kritik, kein Jammern, kein Schimpfen darf Deine Lippen verlassen. Denken darfst Du’s, aber nicht laut sagen.

Warum ich mir so sicher bin, dass ich die Wette gewinne? Weil KIKI und ich das auch schon probiert haben… 😉

In 21 Tagen schimpf- & meckerfrei!?

Das war, nachdem wir das Buch Einwandfrei: ‚A Complaint Free World‘ von Will Bowen gelesen haben. Dem Buch liegt ein Armband bei, das man immer dann von einem Handgelenk zum anderen wechseln muss, wenn man sich beim Klagen oder Beschweren ertappt hat (das beinhaltet natürlich auch Schimpfen und Kritisieren). Und obwohl das Buch echt total motivierend ist, haben wir unsere Armbänder unfreiwillig ziemlich häufig gewechselt. Oft wegen ganz banaler Kleinigkeiten.

  • KIKI (im Jammerton): „Och, die Spülmaschine ist ja noch gar nicht ausgeräumt!“.
  • Ich (amüsiert): „Hihi, Du hast gemeckert – Armband wechseln!“.
  • KIKI (hämisch): „Du jetzt aber auch, das war Kritik!“.
  • Ich (geknickt): „Mist, stimmt! – Ups, schon wieder…!“

Will Bowen macht aus der ganzen Sache eine 21-Tage-Challenge: Du bist offiziell „meckerfrei“, wenn Du es geschafft hast, 21 Tage das Armband nicht zu wechseln 😉 Kommt Dir an Tag 8 eine Klage oder Beschwerde über die Lippen, geht’s wieder von vorne los bei Tag 1 😉  21 Tage ist ja eine dieser magischen Zeiten, nach denen eine neue Denk- oder Handlungsweise zur Gewohnheit geworden sein soll. Andere Quellen sprechen von 30 oder 60 Tagen oder noch längeren Zeiträumen. Aber egal: nach 21 Tagen hat sich sicher schon einiges in Deinem Gehirn geändert. Dazu später noch mehr.

Warum diese Challenge gerade für uns Eltern so hilfreich ist – nicht nur um schimpffrei zu werden

1. Ein Miteinander ohne Schimpfen, Meckern, Kritisieren & Co. ist super für Selbstbild, Bindung & Familienklima

Die meisten Mamas möchten ihre Kinder gerne mecker- & schimpffrei ins Leben begleiten. Und mit so wenig Kritik wie möglich – und wenn, dann nur mit konstruktiver, wertschätzender Kritik. Damit ihre Kinder ein gutes Selbstbild entwickeln – und natürlich auch einer guten Bindung wegen und für ein friedvolles Miteinander.

  • „Du bist so schlampig“ aus dem Mund seiner Mutter kann schnell zur persönlichen Wahrheit für ein Kind werden, zu einem negativen Glaubenssatz. Und damit sein Selbstbild entsprechend prägen. Genauso wie „Du kannst Dich einfach nicht richtig konzentrieren“, „Wieso bist Du nur immer so träge?“, „Schreiben ist nicht gerade Deine Stärke.“ usw.
  • Natürlich hört auch niemand gerne solche Kritik. Oft erzeugt Kritik innerlichen Widerstand, Wut, Trotz, Scham, Traurigkeit. Stell Dir dazu einfach mal vor, Dein Partner würde zu Dir sagen: „Du bist so schrecklich schlampig!“. Was würdest Du dann empfinden?
  • Darunter leidet natürlich die Bindung.
  • Und es besteht Gefahr häufiger unfruchtbarer Konflikte.

Also eigentlich bereits genügend Gründe, sich Alternativen zu suchen und eben nicht zu schimpfen, zu kritisieren und zu meckern.

2. Schimpf- & meckerarm sorgt für konstruktivere Konfliktlösungen

Wenn Du Dich verpflichtest, 21 Tage nicht mehr zu kritisieren, zu meckern und zu schimpfen, dann beginnst Du, jeden kritischen Gedanken vor dem Aussprechen zu überprüfen:

  • Muss ich das jetzt wirklich sagen?
  • Was würde es bringen? Außer, dass ich das Armband wechseln und wieder bei Tag 1 beginnen muss?
  • Und wenn Du zum Schluss kommst, dass Du den kritischen Gedanken äußern musst, dann formulierst Du ihn so, dass er positiv,  wertschätzend und lösungsorientiert ist.

Und gerade der letzte Punkt kann sich total positiv auf Bindung und Familienklima auswirken! Beispiel?

  • Das denkt Dein Kopf: „Lass doch bitte, bitte Deine Socken nicht immer überall liegen! Wie oft muss ich das noch sagen? Es ist echt zum verrückt werden…“
  • Das sagt Dein Mund: „Komm, wir suchen einen Ort, an dem Du Deine Socken tagsüber parken kannst – so wie die Schuhe draußen an der Garderobe. Wo könnte Dein Sockenparkplatz sein?“ Aus Motzen wird in diesem Fall also ein schönes gemeinsames Kurzprojekt 😉

Oder noch ein Beispiel:

  • Dein kleiner Sohn weigert sich, ins Bett zu gehen. Du bereitest geistig bereits folgende Klage-Rede vor: „Jetzt habe ich Dir extra noch eine 2. Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen, obwohl es schon so spät ist. Und jetzt so eine Weigerung! Ich finde das ist total undankbar. Und…“
  • Bevor die Worte Deinen Mund verlassen, wird daraus (nachdem Du ein paar mal tief durchgeatmet hast): „Du möchtest also immer noch nicht ins Bett, obwohl ich Dir deinen Wunsch erfüllt habe, Dir noch eine 2. Geschichte vorzulesen. Kannst Du mir sagen, warum Du nicht ins Bett möchtest? Was brauchst Du noch, bevor Du schlafen kannst?“ Gleichzeitig überlegst Du, ob Du vielleicht auch selbst auf die Antwort kommst, denn Dein Kind weigert sich ziemlich sicher nicht aus Spaß… Ja, das ist anstrengend, vor allem abends, aber jetzt hast Du bereits 3 Tage Dein Armband nicht gewechselt, das gibt Dir die nötige Kraft, das hier jetzt auch noch ohne Wechsel durchzustehen 😉

Du merkst sicher: wenn einer in der Familie weniger kritisiert und meckert, gibt’s auch weniger Konflikte. Und solche Konflikte wie die mit den Socken werden viel harmonischer gelöst.

3. Ohne Schimpfen, Meckern & Klagen gibst Du ein tolles Vorbild ab!

Dann ist da noch die Sache mit der Vorbildfunktion. Natürlich darf ich weiterhin Ärger spüren und meine Kinder dürfen mir auch ansehen, dass ich ärgerlich bin. Ich muss nicht so tun, als würde mich etwas, dass mich ärgert, komplett unberührt lassen. Das wäre nicht authentisch.

Es ist dann nur die Frage, ob ich anfange zu schimpfen und zu meckern, jemandem Schuldzuweisungen zu machen usw. Im obigen Beispiel hast Du ja gesehen, dass sich viele Situationen viel besser lösen lassen, wenn ich lösungsorierntiert und wertschätzend spreche und handle.

Du lebst Deinen Kindern also vor, wie man Konflikte löst, ohne jemanden zu verletzen oder zu beschämen. Ohne zu schreien und einen Streit zu provozieren. Da sich Kinder ja an ihren Vorbildern orientieren und diese auch nachahmen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Deine Kinder später ähnlich mit Konflikten umgehen werden wie Du.

4. Du trainierst Dich zu einem positiveren Menschen

Buddha soll mal gesagt haben: „Du bist morgen das, was Du heute denkst„. Dazu zunächst ein Negativbeispiel:

Du kennst doch bestimmt Menschen, die ständig jammern, klagen, sich beschweren, sich über alles und jeden aufregen und allen die Schuld für ihr Schicksal geben – nur nicht sich selbst. Meinst Du, die sind so auf die Welt gekommen? Sicher nicht – die haben sich so „gedacht“. Mit ganz viel Übung. Sie können einem leidtun, aber sie können trotzdem ganz schön anstrengend und kraftraubend sein.

Zum Glück funktioniert dieser Prozess auch umgekehrt: wenn ich täglich trainiere, positive Aussagen zu treffen (und negative runterzuschlucken), dann hat das tatsächlich nachhaltigen Einfluss auf mein Denken. Denn mein Gehirn fängt bald an, selbständig ähnliche Gedankenmuster zu produzieren. Das Denken wird tatsächlich optimistischer, positiver!

Und die Challenge ist ja nichts anderes als ein solches Training: Es kommen negative Gedanken, ich formuliere sie um und übe auf diese Weise, Situationen und Menschen positiv zu betrachten und gute Lösungen für Probleme zu finden. Wie oft regen wir uns ganz klischeehaft über das Wetter auf. Ist ab sofort nicht mehr erlaubt. Wir könnten es entweder einfach komplett lassen, darüber zu sprechen – oder wir suchen nach den positiven Aspekten oder nach positiven Lösungen. Regen kann z.B. auch ganz schön gemütlich sein, wenn er von draußen ans Fenster prasselt, während wir uns drinnen Geschichten vorlesen – zusammengekuschelt auf dem Sofa.

Und jetzt die Frage: was möchtest Du lieber sein? Meckrig-schimpfig? Oder positiv denkend, lebensfroh & lösungsorientiert? Was möchtest Du Deinen Kindern vorleben? 😉

Zusammengefasst

Vier gute Gründe also, Schimpfen, Meckern & Co. einzustellen. Will Bowens Complaint Free Challenge ist tatsächlich eine gute Möglichkeit, das zu trainieren. Und zwar direkt im Alltag, ohne sich dafür extra Trainingszeit freiräumen zu müssen! Und ohne spezielle Übungen machen zu müssen. Eigentlich perfekt für uns Eltern! 😉

Ich muss aber auch sagen, dass das anfangs etwas frustrierend sein kann, wenn man merkt, wie oft man täglich meckert, kritisiert, jammert, klagt, schimpft… Und einfach nicht über Tag 1 hinaus kommt, auch wenn man sich für einen eigentlich ganz optimistischen Menschen gehalten hat 😉

Ich finde es hilfreich, sich ein paar Werkzeuge zu überlegen oder zusammenzustellen, auf die man in bestimmten Situationen zurückgreifen kann ohne lang überlegen zu müssen.

Beispiel 1: In manchen Situationen ist es ganz schwer, sich nicht lautstark „auszukotzen“. Mir hilft dann oft, wenn ich genau dann überlege, für was ich in diesem Augenblick dankbar sein könnte. Das muss sich nicht mal auf die konkrete Situation beziehen. Dankbarkeit kann Negatives oft relativieren und den Fokus auf das Positive richten. Im obigen Sockenbeispiel könnten wir uns also sagen: „Ich bin dankbar, dass mein Sohn zwei gesunde Füße hat.“ Oder: „Ich bin dankbar, dass mein Sohn so gerne und oft barfuß läuft.“ Oder beim Beispiel mit dem Einschlaf-Verweigerer: „Der Kleine ist so süß, er möchte diesen schönen Tag einfach nicht gehen lassen. Ich bin so froh, dass ich ihn habe!“. (Zur Inspiration: 2 Dankbarkeitsübungen).

Beispiel 2: Wie kann man sich denn in bestimmten Situationen bremsen, um nicht aus der Haut zu fahren? Da wäre es gut ein oder zwei Techniken zu haben, die man dann ohne nachzudenken anwendet, bevor man den Mund aufmacht 😉 Und sei es „nur“ die berühmte „x-mal-tief-durchatmen-Technik“ oder die „Erst-mal-bis-10-Zählen-Technik“ (Hier hat KIKI solche Techniken zusammengestellt: 5 Tipps, um ruhig zu bleiben, wenn Du kurz davor bist, wütend zu werden)

In jedem Fall: es lohnt sich, das Experiment wenigstens mal einen Tag lang zu machen! 🙂 Besser aber natürlich, die 21 Tage anzustreben.

Wir fanden es hilfreich, die Challenge zu zweit anzugehen. Dann kann man gemeinsam überlegen, wie man etwas besser formulieren könnte oder wie man besser hätte reagieren können. Man kann sich gegenseitig motivieren und hat auch einen größeren Ansporn, nicht vorzeitig aufzugeben!

Ach ja, wenn Du jetzt sagst: „Ich würde das ja gerne ausprobieren, ich kann aber nicht, ich habe ja gar kein Complaint Free-Armband“ – das kann man in wenigen Minuten selbst häkeln (so hat KIKI das gemacht), es tut aber z.B. auch ein Haargummi 😉 Oder man verwendet stattdessen einen Stein, der immer von der einen in die andere Hosentasche wandern muss.

Wenn Du magst, dann schreibe uns gerne unter dem Artikel Deine Erfahrungen mit Deinem ersten Tag – die würden uns sehr interessieren!