Achtsamkeit mit Kindern – so gelingt Eltern, gelassen zu „erziehen“

Wünschst Du Dir, manchmal ruhiger und gelassener zu sein? Selbst wenn um dich herum ein Chaos aus unausgeräumten Einkaufstaschen, Spielzeug, unfertigem Mittagessen und weinenden Kindern herrscht? Das kann man üben, und zwar ziemlich einfach und schnell! Wie? Durch das Trainieren von Achtsamkeit mit Kindern.

Achtsamkeit mit Kindern – so gelingt Eltern, gelassen zu „erziehen“Gelassenheit ist ein super Gefühl! Bis vor wenigen Jahren war mir dieses Gefühl noch fast fremd. Und ausgerechnet als Papa beginne ich, Gelassenheit kennenzulernen. Nicht weil bei uns alles immer ganz stressfrei und harmonisch zugeht. Im Gegenteil: weil es eben nicht so ist. Weil man plötzlich ne ganze Menge mehr unter einen Hut bringen muss und auf Probleme stößt, die es zuvor nicht gab. In meinem Fall ging das zunächst in Richtung Überlastung – mit gesundheitlichen Problemen. Und es wurde Zeit, die Gelassenheit aktiv zu suchen. Mit Erfolg. Was nicht heißt, dass ich ständig gelassen bin, aber immer öfter – von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen 😉

Das Ergebnis meiner Suche nach mehr Gelassenheit war Achtsamkeit…

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet für mich: sich der eigenen Gedanken und Gefühle bewusst sein, sich in die Gedanken und Gefühle anderer hineinversetzen. Wenn ich das mache, habe ich plötzlich ganz neue Denk- und Handlungsoptionen.

Ein leicht überzogenes, aber nicht ganz abwegiges Beispiel für Achtsamkeit mit Kindern: Dein kleiner Sohn hat eben das dritte Glas mit selbst gepresstem Saft umgeworfen. In 10 Minuten müsst Ihr aus dem Haus, ihr seid spät dran wegen der beiden vorhergehenden Saftgläser und weil ihm gerade noch eingefallen ist, aufs Klo zu müssen – Kacka. 😉

Raus aus dem Autopilot

Im Stress reagierst Du nun automatisch eher unfreundlich und ärgerlich, machst dem Kleinen Vorwürfe – ist ja immerhin schon das 3. Glas. Hat er denn nichts gelernt, kann er denn nicht aufpassen?

Wenn Du ein wenig Übung in Achtsamkeit hast, wirst Du vielleicht Deine erste Reaktion zunächst zurückhalten und überlegen: „Das hat er nicht extra gemacht. Vielleicht spürt er meine Anspannung und ist deswegen selbst angespannt? Für meinen Termin kann er nichts. Jedenfalls wollte er mich mit Sicherheit nicht ärgern. Was passiert, wenn ich ihn nun anpflaume? Vielleicht bekommt sein Selbstbild einen weiteren kleinen Knacks mehr in der Sammlung? In jedem Fall werde ich seine Würde verletzten, unangenehm wird ihm die Sache ohnehin schon sein. Und das Glas wird dadurch auch nicht wieder heil.“

So: und erst nach diesen Überlegungen reagierst Du. Und zwar jetzt vermutlich anders als wenn Du Deinem ersten Impuls gefolgt wärst… 😉

Was hat das mit Gelassenheit zu tun?

Was das mit Gelassenheit zu tun hat? Ganz einfach. Du musst nun nicht mehr zwingend verärgert sein. Wenn Du die Situation von allen Seiten und etwas intensiver anschaust, siehst Du, dass sie gar nicht so schlimm ist, entwickelst Mitgefühl oder wenigstens Verständnis für Dein Kind – und reagierst gelassener.

Dazu noch ein zweites Beispiel: ein älterer Mann motzt mich an, weil ich mein Auto quer statt längs geparkt habe. Es ist wohl vor seinem Haus so üblich, längs zu parken, damit mehr Autos hinpassen. Das wusste ich nicht, es gab kein entsprechendes Schild oder anderes Auto als Vorbild – und mein Auto hätte dann in die Straße reingeragt. Was hätte ich früher gemacht: zurückgemotzt. Schließlich wurde mein Ego angegriffen, dazu noch beleidigend – und ich bin doch im Recht! 😉

Mit Achtsamkeit reagiere ich nun anders: ich schaue mir den Mann an und sehe einen unzufriedenen, unglücklichen Menschen, der vermutlich kein schönes Leben führt. Er lebt in einer anderen Welt, in der es von großer Wichtigkeit für ihn ist, dass die Autos so parken, wie er es kennt und möchte.

Ich habe immer noch ein Ego und keine Lust, mich anmotzen zu lassen. Aber seine Verbalattacken treffen mich nicht mehr, ich reagiere nun einfühlsamer, habe mehr Verständnis und keinen Grund, den Mann zu verletzen. Mein Auto lasse ich aber trotzdem so stehen 😉

Achtsame „Erziehung“

Für mich ist die Achtsamkeit ein Schlüssel zu einer guten „Erziehung“. Nur wenn ich achtsam bin, kann ich mich in mein Kind einfühlen. Mich fragen: warum „trotz“ es jetzt, welche Bedürfnisse hat es gerade (und auch: welche habe ich gerade) usw.? Und mich außerdem fragen: wird meine erste Reaktion zum Ziel führen? Oder die Situation eher verschlimmern? Welchen Schaden werde ich damit anrichten?

Ein weiterer Schlüssel ist für mich: die Erkenntnis, dass mein Kind bereits mit der Geburt vollkommen ist. Ein fertiger, eigenständiger Mensch mit individuellen Eigenheiten und Fähigkeiten. Es steht mir nicht zu, diesen kleinen Menschen nach meinen Vorstellungen und Erwartungen zu formen. Stattdessen ist es meine Aufgabe, ihn bei seiner persönlichen Entfaltung zu unterstützen.

So gesehen braucht es dann keine Erziehung mehr – denn Erziehen bedeutet Formen.

Das gibt für mich die Art und Weise vor, wie ich mit meinen Kindern umgehen möchte. Die Achtsamkeit hilft mir, das im Alltag zu realisieren.

Wie lernt man Achtsamkeit mit Kindern?

Tja, das ist ein bisschen der Haken an der Sache: nach meiner Erfahrung muss man das üben. Damit sich oben im Kopf neue Denk- und Reaktionsmuster festsetzen. Ich habe dazu vor einigen Jahren ein MBSR-Buch (MBSR = achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) gekauft und 8 Wochen lang Achtsamkeit geübt, vielleicht 30 Minuten am Tag.

Das motivierende daran: schon nach wenigen Tagen hat sich spürbar was geändert im Kopf. Und damit auch im Alltag. Das hat dann angefangen, richtig Spaß zu machen. Wenn Dich plötzlich manche Dinge weniger stören und Du gelassener bist in vielen Situationen. Der „Aufwand“ hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt!

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