Karriere vs. Familie: Warum ich lieber Mami bin als Professor

Sobald die Elternzeit vorbei ist, fängt fast jede Mama an, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. Kind kommt in die Kita, Mama arbeitet Voll- oder Teilzeit. Nach unserem Kita-Debakel kam das für mich nicht mehr in Frage. Ich möchte zu Hause bleiben, bei meinen Kindern und gehöre damit heutzutage einer Minderheit an. Das ist für viele nicht nachvollziehbar, weil ich doch eigentlich eine Bilderbuchkarriere hinlegte.

Von der Musterschülerin zur Musterdoktorin

Karriere oder Familie? Warum ich lieber Mami bin als Professor.

KIKI mit Doktorhut

Nach einem erfolgreichen Abitur als Jahrgangsbeste mit 3 Auszeichnungen und anschließendem Stipendium begann ich mein Studium der Elektro- und Informationstechnik. Ich wählte natürlich eine Uni aus, deren Reputation für dieses Fach hervorragend war. Als Frau in diesem Studiengang war man eine Rarität, was mich anspornte und stolz machte.

Meinen Dipl. Ing. hatte ich schnell in der Tasche und es war klar: ich wollte mehr. Also hing ich noch meine Promotion dran. Meinen Doktortitel erreichte ich mit summa cum laude (mit Auszeichnung) und kassierte anschließend noch 4 Preise. Mein Doktorvater zweifelte nicht daran, dass ich ein Habilitationsprogramm bekommen könnte.

Doch Prof werden wollte ich erst mal nicht. Zuerst wollte ich Mama werden.

Ein Kind ändert alles – zum Glück

Ich habe bis einen Tag vor Tims Geburt noch gearbeitet und 2 Wochen nach der Geburt saß ich auch schon wieder am PC. Tim stillte ich oft vor dem PC, während ich arbeitete. Wenn ich heute daran zurückdenke, kann ich kaum glauben, was ich damals getan habe. Meine Karriere hatte mich (trotz Kind immer noch) voll im Griff. Je mehr ich mich aber mit Themen rund um Kinder und „Erziehung“ auseinandersetzte, umso mehr begann ich auch mein Karriere-Denken in Frage zu stellen.

Karriere oder lieber Dr. Mama?

Wollte ich wirklich weiter Karriere machen? Machte mich das wirklich glücklich? War mein bisheriger Job wirklich meine Berufung? Erfüllte ich nur gesellschaftliche Erwartungen? Was ist mir wichtiger im Leben? Karriere, Familie oder beides?  Wie will ich mein Leben leben, so dass ich am Ende meines Lebens sagen kann: „Ja, ich habe das Leben so gelebt wie ich es wollte und es war für mich ein erfüllendes und glückliches Leben.“

Tief in meinem Herzen wusste ich schon lange, was ich will. Doch die gesellschaftlichen Erwartungen nicht mehr zu erfüllen – Supermami und Karrierefrau zu sein,  war für mich nicht einfach. Wie reagieren die anderen auf meinen Schritt? Welche Konsequenzen wird das in ferner Zukunft für mich und meine Berufschancen haben, wenn die Kinder „mal aus dem Haus sind“?

Lieber Dr. Mama

Ich entschied mich dafür, die Hochschulkarriere auf Eis zu legen und mein Leben zu genießen. Und erhielt dann schon bald die Reaktionen, die ich befürchtet hatte. Der eine meinte abwertend: „Ach, dann bist du also Dr. Mami“. Andere fragten, warum ich nicht gleich nach dem Abitur Kinder bekommen habe.

Heute machen mir diese Aussagen nichts mehr aus. Doch damals verletzten sie mich sehr. Ich finde es traurig,  dass in unserer heutigen Gesellschaft die Familie nichts mehr wert ist. Entscheiden sich Frauen oder auch Männer dazu, ihre Kinder beim Großwerden intensiv zu begleiten und Ihnen eine stressfreie Kindheit zu ermöglichen, ernten sie oft nur Unverständnis  und teilweise sogar Verachtung.

Habe ich die Entscheidung bislang bereut?

Oh nein, ich genieße die Zeit mit meinen Kindern! Es ist so unglaublich schön, so intensiv mit ihnen zusammenzuleben. Ich erlebe alle ihre Entwicklungsschritte hautnah. Aber es ist nicht nur die gemeinsame Zeit mit den Kindern, die mich so begeistert. Nein: die Kinder erst haben mir gezeigt, was es wirklich bedeutet zu leben. Nicht dieses antrainierte Karriere- und Geldstreben, dieses Gehetze und Gestresse – und den Lebensgenuss auf die Rente verschieben.  Sondern das Genießen jedes einzelnen Tages, das täglich neue Entdecken der Welt! Es ist so spannend!

Das hätte mir eine Professur an der Uni oder ein hochdotierter Job in der Industrie nicht geben können. Tatsächlich bin ich stolz darauf, trotz aller Chancen den für mich richtigen Weg gegangen zu sein – einen Weg, der für die meisten Mütter nicht mehr in Frage kommt.
Und nein: mir fällt die Decke nicht auf den Kopf, denn natürlich dreht sich nicht alles nur um die Kinder. Ich arbeite in unserer Internetagentur und ich beschäftige mich mit so vielen unterschiedlichen Themen. Und wir treffen uns natürlich auch mit vielen Menschen.  Ja, ich bin Mama. Aber ich bin nicht ausschließlich Mama.

Aber was ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

Dann werde ich auch nicht mehr an die Hochschule zurückkehren. Und ich werde auch keine Stelle in der Industrie annehmen. Ich werde meine Berufung leben und weiterhin mein Leben genießen. Ich habe keine Lust mehr, ein nur funktionierendes Zahnrädchen in unserem System zu sein.

An Euch Eltern da draußen: Habt den Mut auf Euer Herz zu hören! Und nichts auf dieses gesellschaftliche Drängen zu geben! Was wollt Ihr denn auf eurem Sterbebett liegend über Euer Leben sagen?  „Ich war beruflich sehr  erfolgreich, habe viel Geld verdient, war einer der besten in meinem Fach. Aber von meinen Kindern und dem Leben außerhalb des Jobs habe ich wenig mitbekommen, keine Zeit leider“? Oder lieber: „Ich habe meine Träume gelebt, habe mein Leben mit meiner Familie und meinen Freunden in vollen Zügen genossen. Ich war und bin für meine Kinder da und sie auch für mich.“?

Ihr seid verantwortlich für euer Leben. Entscheidet Euch bewusst für das Leben, das Ihr leben möchtet.

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Denkst Du, ich bin verrückt, dass ich nicht Professor geworden bin? Und wie stehst Du zu Karriere und Kindern? Wir sind gespannt auf Dein Feedback und Deine Fragen!
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