7 Tage Abenteuer Rohkost mit den Kindern – was hat’s gebracht, was nicht?

Wie funktioniert Rohkost mit der ganzen Familie, insbesondere mit den Kindern? Wird das überhaupt funktionieren? Was essen wir dann so den ganzen Tag? Und: was wird sich an unserer Gesundheit ändern, an unserem Energielevel?

Warum überhaupt dieses Abenteuer?

Wir haben schon seit längerer Zeit einen Teil unserer Ernährung auf Rohkost umgestellt. Aber nie ganz, da wir etwas ideenlos waren in Bezug auf das Mittagessen, besonders aber auch auf den Ersatz des abendlichen Brots für die Kinder.

Jetzt hat uns das Schicksal quasi dazu ermuntert, das Abenteuer trotzdem endlich zu wagen: unser jüngster Sohn hatte immer schlimmer werdende Probleme mit seiner Haut. Trockenheit, Juckreiz, Kratzen, blutige Stellen. Erst waren nur die Hände betroffen, dann auch das Gesicht und der Hals. Die Schulmedizin würde das vermutlich Neurodermitis nennen und die Symptome einfallslos mit Cortison behandeln.

Wir haben mehrere Alternativen probiert, um unseren Sohn das zu ersparen. Als nichts half, erinnerten wir uns daran, dass bereits mehrere Menschen gleichartige Probleme in den Griff bekamen, indem sie ihre Ernährung ganz auf Rohkost umstellten. Und wir beschlossen spontan, sofort am nächsten Tag 100 % Rohkost zu machen. Das Abenteuer begann…

Das Frühstück: total problemlos

Das Frühstück war und ist recht problemlos, bestand schon seit Monaten aus selbstgemachtem Saft mit wachsendem Grünanteil. Dazu Kikis kreative Obstteller, Chiapudding, Fruchtleder, Trockenfrüchte und Nüsse. Während uns Eltern das nicht langweilig wurde, wurden die Kinder nach einigen Tagen unzufriedener. Wir brachten mit frischem Apfelmus und Zwetschgenmus etwas Abwechslung in das Frühstücksleben. Mittlerweile gibt’s auch mal selbstgemachtes Müsli mit Obst und Trockenfrüchten.

Also keine große Umstellung für uns.

Das Abendessen: schon schwieriger

Tja, das Abendessen. Bestand bei den Kindern bislang eigentlich aus Brot mit Margarine & Honig. Und nun plötzlich aus Gemüsesticks, Obst und „Broten“ & Crackern aus dem Dörrautomaten. Was bei den Kindern auf wenig Gegenliebe stieß.

Wir behalfen uns an einigen Tagen mit Rohkost-Eis aus dem Mixer – was zwar nur aus Obst bestand, dafür aber richtig gut ankam. Jeden Tag ging das aber auch nicht, so dass man zusammenfassend sagen kann: unsere Kinder waren zwar nicht sonderlich zufrieden, sind abends aber auch nicht hungrig ins Bett.

Für uns Erwachsene war’s zufriedenstellender, denn wir hatten neben dem oben Genannten unsere allabendliche große Schüssel mit buntem Salat. Und hin und wieder noch einen grünen Smoothie, der über den Abend verteilt, ganz ordentlich sättigt. Und den übrigens auch unser Jüngster nicht verschmähte.

Das Mittagessen: richtig schwierig

Warum haben wir zuvor fast nie rohköstliches Mittagessen zubereitet? Obwohl wir doch 3 ganz tolle Rezeptbücher im Regal stehen haben? Vermutlich weil wir einfach auf warmes Essen konditioniert waren. Kaltes Mittagessen – fast unvorstellbar.

Aber jetzt musste es sein. Um es für uns einfacher zu machen, wählten wir für jeden Tag eines der lecker aussehenden Gourmet-Rezepte aus, z.B. Rohkostpizza, lauwarme Tomatensuppe, Champignons mit Cashew-Käse-Häubchen u.ä..

Und siehe da: es ging. Ja, die ersten Bissen waren sogar meistens hervorragend! Sobald aber der erste Hunger gestillt war, ging die anfängliche Begeisterung zurück. So richtig reingehauen wie bei der Kochkost hat niemand. Wir Erwachsenen hatten es wieder einfacher, denn für uns gab’s jeden Mittag eine Schüssel mit gemischtem Salat, der den Hunger vorübergehend stillte.

Und zwischendurch?

Darauf waren wir vorbereitet: die Rohkost stillte den Hunger nie sonderlich lang. Also gab es zwischendurch immer wieder kleine Snacks, überwiegend Obst, aber auch Kikis rohköstliche Süßigkeiten, die es bereits vor dem Rohkost-Abenteuer regelmäßig gab. Insofern mussten wir uns hier gar nicht umstellen: Rohkostschokolade, feine Schokokügelchen, Marzipankügelchen und andere Leckereien sorgten jeden Nachmittag für strahlende Gesichter! 😉

Was gab’s zum Trinken?

Das lässt sich schnell beantworten: grüne Säfte morgens., abends gelegentlich noch grüne Smoothies. Ansonsten stilles Wasser 😉 Und keinen hat’s gestört. Ok, gelogen: die Kinder hat’s nicht gestört. Wir Erwachsenen sehnten uns hin und wieder nach einem gemütlichen Latte Macchiato, gerne auch mit Hafermilch und Lupinenkaffee. Interessanterweise hielten sich diese Sehnsüchte aber in Grenzen.

Freizeit ade, hallo Küche

Das schlimmste für mich war: wir standen den Großteil des Abends und auch große Teile des Tages in der Küche.

Abends wurden die Dinge vorbereitet, die dann in den Dörrautomat mussten, damit wir am nächsten Tag ein Mittagessen hatten, also z.B. Cracker oder Pizzaboden. Keine Vorbereitung, kein Mittagessen. Ein ziemlich unentspannter, allabendlicher Gedanke.

Und auch tagsüber wurde mehr geschnippelt, gemixt und gespült.

Das war letztlich auch der Hauptgrund dafür, dass wir das Abenteuer am 8. Tag langsam wieder beendeten: dieser verdammte Küchenstress!

Das Abenteuer ist vorüber! War’s schwierig?

Ja, wir haben das Ganze nur 7 Tage 100%ig „durchgehalten“. Die Haut unseres Jüngsten hat sich zwar leicht gebessert, aber nicht so entscheidend, dass wir den Küchenstress länger in Kauf nehmen wollten.

Und auch nicht den Stress, den dieser „Kochkost-Entzug“ für uns bedeutete. Der war weit weniger schlimm, als befürchtet. Die Kinder machten super mit, es wurde eigentlich nie gemeckert! Es waren am Ende eher wir Erwachsenen, die sich nach diesem oder jenem warmen Gericht sehnten – und damit auch die Kinder unbewusst ansteckten.

Und das war schon ein gewisser Stress: zu essen, was man nicht so gerne mochte und im Geiste das zu sehen, was man gerne essen würde. Obwohl man genau weiß, dass es die Gesundheit danken wird!

Dennoch: am 8. Tag lockerten wir die Zügel, aßen auch mal wieder eine warme Suppe. Und sind schließlich langsam wieder zu vielen der vorherigen Gewohnheiten zurückgekehrt.

Fazit: Was hat’s gebracht, was nicht?

Normalerweise hat man ja ein schlechtes Gewissen, wenn man etwas abbricht. Z.B. nach anfänglicher Euphorie das Fitness-Studio oder das tägliche Joggen.

Wir haben uns jedoch ganz bewusst und ohne schlechtes Gewissen gegen 100 % Rohkost entschieden: wir wollten nicht mehr so viel in der Küche stehen und uns mit den rohköstlichen Mittagessen „quälen“, sondern wieder das Leben genießen.

Aber, und das ist ganz wichtig: wir haben gleichzeitig beschlossen, nicht wieder komplett in unsere alten Ernährungsweise zurückzufallen. Insofern hat uns das 8-tägige Abenteuer nämlich auf einen ganz neuen Ernährungslevel gehoben, war also keinesfalls umsonst.

Auch wenn sich das Hautproblem unseres Jüngsten nicht wesentlich gebessert hat. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass diese 1 Woche Rohkost bei ihm einen Stein ins Rollen gebracht hat, denn die Haut wurde danach von Woche zu Woche besser! Und/oder die parallel begonnene homöopathische Behandlung.

Was hat’s also konkret gebracht?

Mehr Energie

Es war wirklich so, wie es in vielen Büchern geschrieben steht: wir waren in der Rohkostzeit spürbar energiegeladener, weniger müde. Genial!

Reset unserer Essgewohnheiten

Und auch danach haben wir ein höheren Energielevel. Denn: wir haben den Abbruch des Abenteuers mit der Bedingung verbunden, künftig mehr Rohkost und noch weniger fragwürdige Lebensmittel zu uns zu nehmen.

Es gab sozusagen einen Reset unserer Essgewohnheiten – etwas, dass wir ohne das Abenteuer gar nicht hinbekommen hätten. Im Detail:

  • Morgens 100 % Rohkost: War bei Kiki und mir schon länger der Fall, bei den Kindern erst seit dem Rohkost-Abenteuer. Super!
  • Stark erhöhter Gemüseanteil: Z.B. haben wir angefangen, abends immer wieder Brühe oder Suppe zu machen – die ist natürlich nicht roh. Und dort hinein kommen dann Unmengen an rohes Gemüse. KIKI und ich finden das total lecker. Die Kinder auch, aber mit weniger Gemüseanteil.
    Dennoch: so viel rohes Gemüse haben wir noch nie gegessen! Und dass auch noch mit Freude…

  • Stark erhöhter Salatkonsum: KIKI und ich haben es uns nun angewöhnt, mittags zuerst eine große Schüssel bunten Salat zu essen. Und erst wenn damit der gröbste Hunger gestillt ist, essen wir Kochkost – aber viel weniger als vor dem Abenteuer. Für die Kinder gibt’s ab und zu Karottensalat, aber das funktioniert leider nicht so gut wie bei uns. Meist starten sie sofort mit der Kochkost.
  • Kinder trinken wieder stilles Wasser: was vor dem Rohkost-Abenteuer verpönt war, ist danach plötzlich kein Problem mehr. Kein Geschrei mehr nach Saft-Schorle oder Reismilch. Wer Durst hat, trinkt Wasser. Schon allein deswegen, hat sich die Sache allemal gelohnt!
  • Kinder wollen keine (süßen) Brote mehr: vor dem Abenteuer war Brot ein wichtiger Bestandteil der Ernährung unserer Kinder. Mit Margarine und Honig. Das haben wir nun komplett gestrichen. Wenn, gibt es hin und wieder Mais- oder Reisbrot – ohne Aufstrich, höchstens mit Dip.       Und kein Kind verlangt danach. Ja, auch deswegen hat sich die Sache auf alle Fälle gelohnt, denn das viele Gluten, die hoch verarbeitete Margarine und der viele Honig war uns immer schon ein Dorn im Auge.
  • Kaum noch Nudeln: auch die haben wir beinahe abgeschafft. Hin- und wieder gibt es noch glutenfreie Nudeln, ansonsten sind wir komplett auf Reis umgestiegen. Und auch hier ist interessant, dass die Kinder nur noch selten nach Nudeln verlangen. Und dass sie plötzlich glutenfreie Nudeln lieben, die sie vorher eher eklig fanden.
  • Geändertes Süßigkeiten-Verhalten: Wie schon erwähnt, verwöhnt uns KIKI schon längere Zeit mit rohköstlichen Süßigkeiten. Hin und wieder gab’s aber auch mal zuckerfreie Bio-Kekse oder einen Kuchen im Café. Das haben wir derzeit noch komplett eingestellt. Einfach weil wir gesehen haben, wie fit wir in der Rohkost-Woche waren.
    Interessant übrigens: Unser Ältester lehnt jetzt Nicht-Rohkost-Süßigkeiten von sich aus ab, wenn ihm z.B. Freunde welche anbieten.

Andere Einstellung zum Genuss

Die erste „richtig“ Suppe nach dem Rohkostabenteuer war so etwas wie ein wertvoller Schatz. Wir waren unendlich dankbar, überglücklich. Wegen eine stinknormalen Suppe. Wahnsinn. Wie man die Dinge plötzlich schätzen lernt, wenn man mal eine Woche darauf verzichten „musste“… 😉

Auch jetzt noch genießen wir die normalen Lebensmitteln mehr als zuvor, denn sie sind immer noch etwas Besonderes.

Ganz besonders wichtig: der Entschluss, etwas weniger gesundes zu essen, ist jetzt immer ein bewusster. Und immer mit Genuss verbunden. D.h.: wir geißeln uns nicht mit Abstinenz, sondern wir genießen das (kulinarische) Leben jetzt mehr als zuvor!!

Entgiftung

Auch das soll nicht unerwähnt bleiben. Wir Erwachsenen zeigten erste Entgiftungserscheinungen – obwohl wir uns ja auch schon vorher mit grünen Säften und so recht gesund ernährten. KIKIs Haut wurde schlechter, ich hatte mit Durchfällen zu kämpfen. Da hat sich also was getan in unserem Körper.

Gesamtfazit: eine absolut geniale Erfahrung!

In den ersten Tagen nach Abbruch des Rohkost-Abenteuers waren wir erst enttäuscht – weil wir es nicht so lang durchgehalten haben. Erst nach und nach wurde uns klar: Mensch, wir haben dennoch viel gelernt, wertvolle Erfahrungen gemacht und unsere Ernährung stark verbessert!

Und es war viel, viel weniger schlimm, als befürchtet 😉

Jetzt kommentieren

Du bist gefragt!

Wie stehst Du zur Rohkost? Zu einer gesunden Ernährung? Welche Erfahrungen hast Du gemacht – vor allem mit Deinen Kindern? Wir sind gespannt auf Dein Feedback und Deine Fragen!
Jetzt kommentieren